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Beilage der Bayerischen Rundschau, Kulmbach 2/1977 Drossenfelder Pfarrer als Feldprediger in AmerikaGeorg Christoph Elias Erb erwarb sich später um seine Gemeinde große Verdienste / Zahlreiche Erkenntnisse gewonnen Vor 200 Jahren, am 4. Juli 1776, sagten sich 13 nordamerikanische Staaten von der Kolonialmacht England los und erklärten sich für unabhängig, wobei sie von Frankreich und Spanien tatkräftig unterstützt wurden. Die englische Krone war natürlich nicht bereit, den Verlust dieser wertvollen Kolonien ohne weiteres kampflos hinzunehmen. Es kam zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1776 bis 1783. Wenig bekannt ist die Tatsache, daß auf englischer Seite eine ganze Anzahl junger Männer aus unserer engeren Heimat als Soldaten an diesem Krieg teilnahmen und daß sich unter ihnen auch der spätere Drossenfelder Pfarrer Georg Christoph Elias Erb befand. In einem von ihm selbst verfaßten Lebenslauf schildert er seine vielfältigen Erlebnisse in Amerika und seine Bemühungen und Enttäuschungen nach seiner Rückkehr. Noch im hohen Alter und drei Jahre vor seinem Tod ist Erb tief gekränkt und verbittert über Staat und Kirche, weil sie ihre damaligen Versprechungen nicht eingehalten haben. 1823 schreibt er in seinen Lebenserinnerungen: "Hätte ich einen Vorsehungsgeist gehabt, so würde ich, da ich meinen Abschied in Nordamerika nicht erhalten konnte; sogleich nach meiner Zurückkunft ins Vaterland denselben gefordert haben und spornstreichs in jenes glückliche Land wieder zurückgekehrt sein, in welchem ich gewiß eine ganz meinen Wünschen und Neigungen angemessene Laufbahn hätte antreten und als selbständiger Mann frei atmen können. Leider kann mir dieses Glück in meinem begonnenen Alter nicht mehr zuteil werden." Es drängt sich wohl zunächst die Frage auf, wie es überhaupt zur Entsendung deutscher Soldaten nach Amerika kommen konnte. Für den Feldzug gegen die "aufständigen Rebellen" in Amerika mietete damals der englische König Georg III. Truppen bei auswärtigen Staaten. Rund 30000 Mann kaufte er während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges von europäischen Fürsten. Die Markgrafschaft Bayreuth-Ansbach lieferte allein 2459 Soldaten, natürlich gegen eine recht gute Bezahlung. Die Überfahrt nach New York dauerte 8 Wochen und verlief für viele gar nicht angenehm: Schon nach wenigen Tagen erfolgte der erste Einsatz im Heer des Generals Howe und sie erzwangen den Übergang über den Fluß Brandywine. Die Verluste waren verhältnismäßig groß, so daß sofort Ersatz angefordert wurde. Er ging im Oktober 1777 in Ansbach ab, weil aber der König von Preußen (Friedrich der Große) den Durchmarsch verweigerte, mußte die Truppe in Hanau Winterquartier beziehen und kam erst im nächsten Jahr in Amerika an. Fast vollständig aufgerieben wurden die fränkischen Regimenter, als sie bei Yorktown in eine Falle der Amerikaner gerieten. Hungersnot, Seuchen und Fahnenflucht brachten zunächst viele Ausfälle; nach einem Generalangriff erfolgte die Kapitulation von fast 1000 Mann. Wieder wurde bei Markgraf Alexander Ersatz angefordert. Der Nachschub wurde sofort zusammengestellt und marschierte im Frühjahr 1782 nach Bremerlohe ab. In New York wurden sie dann mit dem Rest der Zurückgebliebenen zu einem starken Jägerregiment zusammengestellt. Es war der letzte Ersatz, der auch in keine größeren Kämpfe mehr verwickelt wurde, denn am 30. November 1782 erfolgte der Friedensschluß in Versailles. Unter dem letzten Ersatz befanden sich unter anderen der Sekondeleutnant Neidhard (der spätere preußische General Graf Neidhard von Gneisenau), der Feldprediger und spätere Drossenfelder Pfarrer Georg Christoph Elias Erb, der Hauptmann Christian Philipp von Ellrodt, ein Verwandter des Reichsgrafen von Ellrodt auf Drossenfeld, der Regimentsarzt Dr. Johannes David Schöpf von Bayreuth und der Fourier Johann Leonhardt Kirchmayer, Sohn des verstorbenen Stadtsyndikus Kirchmayer von Kulmbach (,,ist ein gelernter Kaufmannsdiener, Abenteurer, soll ein hübsches Vermögen besitzen“). Am 13. Mai 1783 ließen die Amerikaner die Gefangenen frei, im August erfolgte die Verladung auf die Schiffe und nach dreiwöchiger Überfahrt die Landung in Dover. Am 11. September 1783 wurde der Rückmarsch nach Ansbach angetreten. Groß war die Freude, als die Truppen in ihre Garnisonsstädte Ansbach und Bayreuth zurückkehrten. Der Chronist berichtet, ,,daß man nicht genug über ihre Schönheit und Disziplin staunte, daß die mitgebrachten Mohren und Mohrinnen die besondere Aufmerksamkeit erregten und die Neugier mit der Nachricht befriedigt wurde, daß sie alle wohlauf seien. Die ganze Stadt Bayreuth sei den Truppen eine halbe Stunde Wegs entgegengeeilt und habe sie unter den Empfindungen lebhaftester Freude hereingeleitet.“ Laut den Musterungslisten waren insgesamt 2459 Soldaten im markgräflichen Dienst in Amerika. Von diesen wurden 127 vorzeitig als Kranke oder Invaliden heim-geschickt, 12 Offiziere und 389 Mann sind drüben gefallen oder verstorben. Ein knappes Drittel, nämlich 679, blieb in der ,,Neuen Welt“. Sie wählten Amerika als ihre Heimat, obwohl sie zunächst verachtet wurden und nur die Virginier gut zu ihnen waren. Markgraf Alexander hatte mit dem ,,Truppenverleih“ ein gutes Geschäft gemacht, die Staatsschuld war auf 1,5 Millionen Gulden zurückgegangen. Den Feldzugsteilnehmern hatte er beim Abmarsch seine besondere Gnade und Unterstützung nach der Heimkehr zugesichert. Die Einlösung dieses Versprechens aber war vergessen. Nur einige Jäger bekamen Posten bei der Forstverwaltung. Der Jäger Georg Dietrich Amende kam 1784 als Forstknecht nach Putzenstein bei Limmersdorf, der Jäger-Sergeant Johann Michael Pausch erhielt eine Stelle als Förstereiadjunkt in Glashütten bei Bayreuth. Auch dem jungen Geistlichen Georg Christoph Elias Erb hatte Markgraf Alexander versprochen, daß er nach seiner glücklichen Heimkehr eine der ertragreichsten Pfarrstellen der Markgrafschaft erhalten werde, wenn er als Feldprediger nach Amerika gehe. Erb war als Pfarrerssohn am 11. Januar 1759 zu Seibelsdorf geboren, besuchte das Lyzeum in Wunsiedel, anschließend das Gymnasium zu Bayreuth und schloß sein Theologiestudium 1782 in Erlangen mit der Note "vorzüglich" ab. Nach der Ordination in der Stiftskirche trat er schon 14 Tage später mit den Feldjägern die Reise nach Nordamerika an. Reich an Erfahrungen und tief beeindruckt kehrte Erb im November 1783 mit dem letzten Transport nach Ansbach zurück. Ein halbes Jahr wartete er nun auf die versprochene gute Stelle. Aber entgegen der Anordnung des Markgrafen, der sich wieder in Paris aufhielt, erhielt er 1784 die gering erträgliche Pfarrei Streitberg. Schon nach fünf Jahren versetzte ihn das Konsistorium ohne sein Gesuch nach Schornweisach (bei Neustadt/Aisch). Der Markgraf war überhaupt nicht mehr erreichbar. Am 2. Dezember 1791 gab dieser bekannt, daß er die Markgrafschaft an den König von Preußen übergeben werde, was dann auch am 8. Januar 1792 vollzogen wurde. Erb forderte auch bei der neuen Regierung die Einhaltung des Versprechens mit ,,spitzer Feder“. 1794 erhielt er die Pfarrei Lindenhardt, wo sich sein Vater ,,pro emerito“ erklärte und seinen Sohn als Amtsnachfolger vorgeschlagen hatte. 1806 kam dann die französische Besetzung und schließlich 1810 die Einverleibung in das Königreich Bayern. Manch anderer hätte die Hoffnung auf Gehör aufgegeben. Erb kämpfte weiter um sein Recht. Und nach 33 Jahren hatte er Erfolg: Am 1. Februar 1817 erhielt er die sehr einträgliche Pfarrei Neudrossenfeld und wurde Nachfolger des Konsistorialrates Wilhelm Christian Löw, der am 2. August 1815 verstorben war und in der bekannten Löwschen Familiengruft in Bayreuth beigesetzt wurde. Erb rühmt sich, daß er in allen Gegenden, in denen er Pfarrer war, ,,durch beharrlichen Vorgang, der ihm manches schwere Opfer kostete, dem Ackerbau einen höheren Schwung gegeben zu haben“. Die großzügig betriebene Landwirtschaft in Nordamerika war im Vordergrund des Interesses der fränkischen Soldaten gestanden. Die Weite und die Unermeßlichkeit des Landes gestatteten eine weiträumige Bewirtschaftung des Bodens, der nicht bis aufs letzte ausgenutzt werden mußte, wie es in der Heimat der Fall war. Pfarrer Erb erzählt: "Eine erstaunliche Fruchtbarkeit brachte reiche Ernten und es war nicht selten, daß für einen Scheffel Aussaat 40 bis 60 wieder geerntet wurden. Es darf uns nicht wundern, wenn nicht wenige der fränkischen Soldaten sich entschlossen, in diesem Lande für immer zu bleiben." Erb kamen die gewonnenen landwirtschaftlichen Erfahrungen in Drossenfeld besonders zugute, denn er war dort der ,,größte Bauer“ und bewirtschaftete mit seinen zwei Knechten und vier Mägden rund 100 Tagwerk landwirtschaftliche Nutzfläche und 60 Tagwerk Pfarrwald. Große Verdienste erwarb sich Pfarrer Erb durch den Aufbau des Schulwesens in seiner Kirchengemeinde, wobei er eng mit dem Regierungsschulrat Graser in Bayreuth zusammenarbeitete. Noch im Jahr seines Dienstantritts organisierte er die Schule Brücklein unter größten Schwierigkeiten. Notdürftig wurde die große Kinderschar in einem alten Schrotbau, dem Friederskasten, untergebracht, der Lehrer mußte reihum zum Essen gehen. Erb drängte sofort auf einen Schulhausbau. Er wurde 1820 errichtet und 1821 von Graser und Erb eingeweiht. Für Neudrossenfeld setzte Erb die Errichtung einer 2. Schulstelle im Jahre 1821 durch, denn die Schülerzahl war auf 187 angestiegen, es mußte in drei Gruppen unterrichtet werden. Gleichzeitig ließ er das Schulhaus durch einen Anbau verlängern. Pfarrer Erb besuchte sehr fleißig die fünf Schulen des Pfarrsprengels (Neudrossenfeld, Altenplös, Brücklein, Waldau und Unterwaiz) als Distriktschulinspektor, wobei sich auch manchmal Graser beteiligte, der bei allen Schulen mit Ausnahme von Waldau auffallende Unwissenheit feststellte. Auf Anregung Erbs wurde 1818 von Regierungsschulrat Graser eine allgemeine Schulprüfung vorgenommen und dadurch der Grund zu einer Schulreform gelegt. Doch Pfarrer Erb ist immer noch nicht zufrieden. Er klagt, daß die kgl. Verordnungen zwar von ihm pünktlich befolgt würden, aber von denen, welchen die Vollziehungsgewalt anvertraut ist, nicht vollzogen werden. Immer wieder hat er Ärger und auch der Kantor bereitete ihm durch Insubordination (Unbotmäßigkeit) viele trübe Stunden. Im Juni 1820 reist Pfarrer Erb persönlich nach München, um im Ministerium um Abhilfe und Beseitigung der Mißstände im Schulwesen zu bitten. Aber es änderte sich nichts. Auf sein ständiges Drängen trat am 2?. März 1825 unter Leitung von Reg.-Schulrat Graser eine Kommission zusammen, der außer Erb der Landrichter Meier von Bayreuth, Landrichter Gareis von Kulmbach, Reg.-Assistent von Zobel und der von Reitzensteinsche Patrimonialrichter Kraußold angehörten. Folgendes wurde beschlossen: Strengste Bestrafung der Schulversäumnisse durch Geldstrafen und Arrest, das Patrimonialgericht muß für ein geeignetes Arrestlokal Sorge tragen. Die Schulgelder hat die Gemeindebehörde einzuziehen. Die Schule Neudrossenfeld ist in drei Abteilungen (193 Kinder) von den zwei Lehrern zu unterrichten. Jeder Lehrer erhält das gesetzliche Schulholzquantum. Die Lehrer müssen fleißiger werden. Alljährlich werden mehrere Visitationen durchgeführt. Der 1. Lehrer muß in dringenden Fällen bei Predigten, Betstunden und Kinderlehre vikarieren. Erb hatte sich in allen Punkten durchgesetzt und für Zucht und Ordnung gesorgt. Energisch geht Erb gegen eingerissene Mißstände im kirchlichen Leben vor. Es kam vor, daß Hochzeitspaare oft Stunden zu spät zum Trauungstermin kamen oder schon recht angeheitert waren. In Zukunft wurden sie an diesem Tag nicht mehr getraut. Vom Abendmahl wird ausgeschlossen, wer die Kinderlehre nicht besucht, denn oft sind von 100 nur fünf oder sechs anwesend. Bisher wurden die Täuflinge allein nur von der Hebamme zur Taufe gebracht und versprochen. Erb führte den "Mißbrauch" sogleich ab und das Zugegensein des Kindsvaters und der Gevatter wieder ein. Viel Ärger bereiteten dem Pfarrer die vielen Kirchweihsonntage, "an denen die Macht der Sinnlichkeit alles niederdrückt und die Obrigkeit kein Veto einlegt". Der Schluß seines Lebensberichtes enthält teils Freude, teils tiefe Niedergeschlagenheit: "Den Beifall meiner Gemeinde habe ich meiner Persönlichkeit, meinem deutlichen und populären Vortrag, den ich mit einer gewissen Wärme zu begleiten suche, meiner reinen Tenorstimme, die mich ohne sonderliche Anstrengung in jedem Winkel meiner großen Kirche verständlich machet, und die ich immer der Materie anzupassen suche, manchmal zu einem mittleren Baß herabfallen lasse und nicht minder meiner strengen Vorbereitung. In Mißkredit stehe ich nur bei einigen Leuten, die von je den Kirchenscheu hatten. Ich hielt es immer für meine Pflicht, diese meine pia desideria laut werden zu lassen und den Staat nicht in öffentlichen anonymen Schmach- und Spottschriften, sondern auf offiziellen Wegen darauf aufmerksam zu machen, damit unserm Stande, dem durch den schielenden, neidischen, gehässigen und aller wahren Religiosität abgeneigten Zeitgeist, der bis jetzt noch nicht ganz niedergedonnert ist, so manches Leid und so manche Beeinträchtigung widerfahren, wieder eine freundliche Sonne scheinen und der alte Prediger und Religionslehrer, der am Rande des Grabes immer näher rückt, sich nochmals von vorne an seines Lebens und seines Amtes freuen, und aus der ganzen Fülle seines Herzens den Segen über den vaterländischen Staat aussprechen könne, der nur dann wahr wird, wenn man seinen, nämlich den geistlichen Stand nicht verkennt." Am 7. Januar 1826, kaum 67 Jahre alt, starb der furchtlose Streiter für Freiheit und Gerechtigkeit und für die Ehre seines Standes an der Gelbsucht. Im ehemaligen alten Friedhof bei der Kirche fand er seine letzte Ruhestätte. M. Riedelbauch, Altdrossenfeld
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