Zugleich ein Beitrag der Beziehungen Frankens zu Nordamerika
im 18. Jahrhundert von Archivrat Dr. Wilhelm Georg Neukam, Bamberg
Am
1. Februar 17771) unterzeichneten der ansbachische Minister Karl
v. Gemmingen und der englische Unterhändler Oberst Sir William Faucitt zu Ansbach
einen Vertrag, der den Markgrafen Christian Friedrich Karl Alexander, seit 1769
auch Erbe des bayreuthischen Landesteils der brandenburgischen fränkischen Fürstentümer,
verpflichtete, eine für das kleine Land ansehnliche Kampftruppe von zwei Regimentern
nebst einer Jägerkompanie und Artillerieabteilung insgesamt 1285 Mann zum
Kampfe gegen die im Aufstande begriffenen englischen Kolonien in Nordamerika
aufzustellen.
Es kann nun freilich kein Zweifel darüber bestehen, daß der Vertrag einen regelrechten Verkauf von Truppenkörpern an das Ausland darstellte und daß man auch auf Brandenburger Seite diese Abmachungen durchaus als "Handel mit Menschen" betrachtete, wobei man allerdings als völlig ungenügende Entschuldigung der Nutznießer anführen kann, daß Subsidienverträge, die mit der Stellung von Truppen verbunden waren, von den Reichsständen als ein vm Kaiser verliehenes und erworbenes Hoheitsrecht angesehen wurden, wovon man gern und ohne größere Skrupel eifrigen Gebrauch machte.2)
Freilich die Zeiten waren bei Abschluß des genannten Vertrages schon so weit fortgeschritten und der Begriff der Menschenrechte schon so weit vorgedrungen, daß man solche Abmachungen nur mit schlechtem Gewissen traf und ihre Nützlichkeiten u. a., auch damit zu rechtfertigen suchte, daß man die gewonnenen Gelder, an denen Blut, Tränen und Schweiß der Untertanen klebten, wie im vorliegenden Falle, fast ausschließlich zur Bezahlung von Staatsschulden verwendete,3) die indes ihren Urgrund in den Prunkbauten, der Repräsentation und der Lebsucht des Hofes hatten.
Daß wir heute noch z. B. die mit diesem Gelde geschaffenen Prunkbauten bewundern, ändert indessen nichts an der unmoralischen Seite der ganzen Vorkommnisse und es ist bezeichnend genug, daß keine Epoche es versäumte, auf das Schmähliche des Handels mit Soldaten hinzuweisen.
282 400 Pfund Sterling eine für die damalige Zeit bedeutende Summe brachte der Verkauf der Landeskinder der hochfürstlichen Hofkammer. Von den insgesamt 2353 abgestellten Mannschaften kehrten nach der Kapitulation von Yorktown 1170 Mann nicht in die Heimat zurück4).
Kein Denkmal auf deutschem, geschweige denn auf auswärtigem Boden erinnert an das für fremde, ja noch dazu für überlebte Interessen vergossene deutsche Blut. Nur der Grabstein des Generalmajors Voit von Salzburg, ursprünglich Kommandeur des späteren v. Seybot’schen Korps, erwähnt dessen Teilnahme an „sieben Campagnen“ in den Jahren 1777/84 in Amerika5). Von den vielen Namenlosen und ihren Leiden sprechen indes einige Gedichte und sonstige poetische Darstellungen von nur bescheidenem literarischem Werte. Sie lassen sich in keiner Weise mit den „Preußischen Kriegsliedern in den Feldzügen 1756/57“, die Gleim6) zum Verfasser hatten, vergleichen oder gar mit der zeitnahen Dichtung Lessings in seiner „Minna von Barnhelm“.
Auch hat keines dieser ansbachischbayreuthischen Gedichte den Volkston so getroffen, daß es Eingang in das Liedgut des Volkes gefunden hätte.
Immerhin sind diese poetischen Erzeugnisse einer Betrachtung wert, da sie uns die Stimmung der Leute wiedergeben, die für oder gegen die amerikanische Expedition waren.
So waren es zunächst die Trauer und Empörung um die Scheidenden7) und ihr ungewisses Schicksal die ihren Ausdruck in gebundener Form suchten,
1776 erklang das „Klagelied eines deutschen Biedermanns“8). Der Verfasser ist unbekannt. Er gehört aber offenbar den gebildeten Ständen an, vielleicht war er sogar ein angehender evangelischer Theologe, da er seiner Ode einen Bibelspruch nach Joel 1.42 vorausschickt:
„Hört
dies Ihr Ältesten, ob ein solches geschehen sei bei Euern Zeiten oder bei Euer
Väter Zeiten!“
Das Gedicht ist in Distichen abgefaßt, also abwechselnd in Hexametern und Pentametern und klingt durchaus an die Gedanken an, die uns aus Emilia Galotti, aus Kabale und Liehe, aus den „Räubern“, aber auch aus den bürgerlichen französischen Rührstücken (comédie larmoyante) des 18. Jahrhunderts bekannt sind9).
Die
Strophen haben das Wohlleben der Herrschenden, die Verschwendung der fürstlichen
Geliebten, aber auch das harte und unbestimmte Los der an eine fremde Macht
um schnödes Geld verkauften Landeskinder zum Thema:
„Klagt
und beweint Patrioten unsere blühenden Söhne
Welche die Fürsten um Gold fremdlichen haben verkauft
Unsere Brüder verkauft, damit sie fürstlicher schwelgen
So verhandeln sie dich, theures germanisches Blut
Dieser, damit er Welschlands
Gaukler bezahle und jener
Daß er des
Goldes viel schütt' in der Buhlerin Schoß. . .“
Daneben wird an die früheren Tugenden und die Tapferkeit des deutschen Volkes erinnert, an Hermann den Cherusker, ganz im Stile Klopstocks10), aber auch an das Unrecht, daß man im fremden Solde ein freiheitliches, junges Volk unterjochen soll:
„Teutsche
wärt Ihr? . .
Nein, bei Herman,
die seid Ihr verdorben, nicht!
Sonst ließet
Ihr nimmermehr Eure Kinder verkaufen
Um ein gerechtes
Volk zu unterjochen mit Krieg!
Was tat Dir,
undeutscher, niedriger brittischer Soldknecht
Jenes bessere
Volk in der jüngeren Welt"
Mehr im volkstümlichen Ton gehalten ist die „Abschiedsgedanken eines Grenadiers von Bayreuth“ vom 28. 2. 177711). Auch in diesem Liede kommt die Trauer über den Vater, den Gatten und den Sohn zum Ausdruck, die auf einen fernen Kriegsschauplatz ziehen und die unversorgten Angehörigen im bitteren Elende zurücklassen müssen. Besonders der Umstand wiegt stark, daß man nicht für das Vaterland, sondern für Fremde das Leben einsetzen soll:
„Ich wollte
vor das Vaterland
Vergnügt mit
meinen Brüdern streiten
Herzhaft den
Degen in der Hand
Und meine Kugel
zubereiten
Ja noch dazu
erbittert stehen
Vergnügt dem
Feind entgegengehen
Und willig
und gehorsam sein.“
Bitter war es für manchen, daß auch ein Loskauf von der Einziehung nicht möglich war, und wir erinnern uns an das bittersüße Lied von Straßburg, der wunderschönen Stadt, in der der Oberst um alles Geld auf der Welt den Sohn nicht freistellen will:
„Die Freund
und die Bekannten laufen
Mit Tränen
auf mich Armen zu
Sie wollen
mich mit Geld erkaufen
Der Oberst
spricht: Nein! dazu.“
Ähnliche Gedanken finden sich auch in einer kleinen, gedruckten, anonymen Sammlung von vier Gedichten unter dem Titel: „Vier neue Arien“12).
Das erste Gedicht beginnt:
„Adieu
zu guter Nacht
Die Wachen
sind vollbracht
Die Ordre aufzubrechen
Und mit dem
Feind zu sprechen
Jetzt ist's
uns publiziert
Wir werden
weggeführt.“
In stiller Resignation nimmt der „soldat forcé“, belastet mit der Sorge um seine Familie, Abschied:
„Adieu
Mutt'r und G'schwister mein
Laßt Euch das Denkmahl sein
Daß ich Euch hab geliebet
Und niemals hab betrübet.
Das ist mein Abschiedswort:
Adieu, behüt Euch Gott.“
Auch hier wird wieder die Bereitschaft betont, daß man ehrlich fürs Vaterland kämpfen wolle, nicht aber für ausländische Zwingherrn:
„Giengs
doch vors Vaterland!
Wir wären bei
der Hand
Wollten recht
tapfer streiten
Vorn Feind
auf allen Seiten;
Weil sichs
nun so thut fügen
Wird Gott uns
auch behüten.“
Die zweite Arie ist nach der bekannten Melodie: "Wer nur den lieben Gott läßt walten" eingerichtet.
Auch hier wird der Grenadier die Sorgen die schicksalsschwere Zukunft in dem nutzlosen, unvolkstümlichen Krieg nicht los:
„O
hartes Wort in meinem Herzen,
Herz voll Angst,
das uns erhitzt,
Angstschweiß
fällt von uns auf die Erden
Herz voll Angst,
das nur so blitzt.
Und ist sehr
bang und sprechen ja!
Es geht in
das America.
Adieu jetzt
müssen wir uns scheiden
Von unsern
Eltern wandern fort;
Sechs Jahr'
das Vaterland zu meiden
Und ziehen
in ein fremdes Ort.
Doch weiß ich
nicht, o lieber Herr
Ob ein Mann
mehr tut kommen her.“
Doch was bleibt dem einzelnen in seiner persönlichen Ohnmacht anders übrig, als sich dem Willen Gottes zu unterwerfen?:
„Wohlan
brecht auf in Gottes Namen!
Mit aufgepflanztem Bajonet;
Her Trommeln, Pfeifen, kommt zusammen,
Schlagt diesen Marsch, wie es jetzt geht.
Der
Eltern Söhne ziehen fort,
O harter Marsch,
o hartes Wort!“
Dem Verfasser der vier „Arien“ war auch das Lied „Innsbruck ich muß Dich lassen“ gut bekannt:
Er verwendete es für die Eingangsstrophe seiner 3. „Arie“, die nach der Melodie: „Sollen nun die grünen Jahre“ gesungen werden soll:
„O
Bayreuth! ich muß dich lassen,
Hintern Rücken sehen Dich;
Ich fahr dahin diese Straßen
O Du Stadt!, wie jammerst Du mich.
Meine Augen sind voll Tränen
Jetzt in dieser großen Noth
Wann ich 'denk an den und jenen
Weh ach weh! erbarm es Gott.“
Doch auch der Sänger dieses Liedes bescheidet sich schließlich mit christlicher Demut in den unerforschlichen Willen Gottes:
„Will
es Gott nun also haben,
Brüder so verzagt nur nicht
Er wird unsern Feind schon schlagen
Ob wirs doch jetzt meynen nicht.
Er wird uns an allen Enden Hilfe, die er zugesagt
Schon durch seine Engel senden
Drum heißt es jetzt frisch gewagt!“
Ähnliche Gefühle kommen auch im letzten Liede dieser Sammlung zum Ausdruck, das weniger auf den künftigen Feldzug anspielt, als mehr von den Leiden der Gottesfürchtigen auf dieser Welt zu sprechen kommt: Es genügt deshalb die zweite Strophe des Gedichtes anzuführen:
"Ist
zwar schön ein alt Herkommen
Keinem läßt man Ehr noch Fried,
Dulden müssen sich die Frommen
Thut man über sie ein Schnitt.
Müssen stets geduldig leiden
Sollt es Ihn'n das Herz zerschneiden
Tragen müssen's ihren Spott
Sollts verwunden bis in Tod."
Soweit die Gedanken und Gefühle der Seite, die der Ansbachisch-Bayreuthischen Expedition feindlich oder zumindest kritisch und mit Vorbehalten gegenüberstanden.
Aber auch die andere Seite, die für den Auszug der Truppen nach Amerika offene Propaganda betreibt, wollen wir billigerweise nicht übergehen. Alle diese Autoren dichteten unter der Devise des "Dulce et decorum est, pro patria mori". Fast keiner von ihnen befand sich unter den Kombattanten.
Beginnen wir mit einem „Kriegslied“13) des Bayreuther Regierungsrats Petermann aus Bayreuth, das dieser zum Auszug der Truppen verfaßte, wobei er alle Register der vaterländischen Begeisterung zog. Karl Maximilian Wilh. Petermann14) war auch sonst als Dichter bekanntgeworden. Er hatte zwei Bände Fabeln und Erzählungen, er hatte Gedichte und Kirchenlieder verfaßt. die Aufnahme in das Bayreuther Gesangbuch fanden. Über die dichterische Realität dieser größeren Werke kann ich kein Urteil abgeben, da sie mir im Wortlaut nicht vorgelegen haben.
Das in Abschrift vorliegende „Kriegslied“, das die Bayreuther für eine verlorene Sache begeistern sollte, läßt indes jedes höhere Gefühl oder Schwung vermissen. Im holprigen Deutsch, bar aller Poesie, reitet Petermann den Pegasus:
„Marsch!
Marsch! Ihr Brüder laßt uns ziehen
Es winkt der
ferne Krieg,
In einen andern
Welttheil hin
Zu siegen deutschen
Sieg!
Mehr deutsche
Krieger sind voran
Und thun vor
allen brav
Wir folgen
und wie sie gethan
Thun wir auch
alle brav.“
In ähnlichen langweiligen Wort schildert Petermann in der 2. und 3. Strophe die Feigheit des Feindes, der selbstverständlich vor den Bayreuther Kriegern die Flucht ergreifen wird. Den Deutschen aber wird der Siegespreis winken:
„Bald,
bald erobern wir von Euch
(Lauft immer
schnell und weit)
Ein Land dem
Vaterlande gleich
Und nennens
NeuBayreuth!“
Doch nahmen die Ereignisse einen anderen Verlauf, als sich ihn der Dichter eingebildet hatte, und es folgte die Kapitulation von Yorktown 178115), bei der bayreuthisch-ansbachischen Truppen in Gefangenschaft gerieten: Diese Niederlage führte übrigens auch in der Markgrafenschaft zu Unruhen unter der Bevölkerung, da sich das Gerücht verbreitet hatte, daß nunmehr die gesamte markgräfliche Infanterie nach Nordamerika in Marsch werden sollte16).
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Bayreuther Regierung diese Art der Propaganda begünstigte und sie sogar durch den Druck verbreiten ließ, wie z. B. das „Lied eines Deutschen Kriegers in Amerika“, das 1778 in Bayreuth anonym erschien17) und nach der Melodie „Wer nur den lieben Gott läßt walten“ gesungen werden sollte.
„Entfernt
von meinem Vaterlande
Geh ich, wohin
der Dienst mich ruft
Zwar fühl ich
mancherlei Beschwerde
In fremder,
ungewohnter Luft.
Doch Gott,
der mich hierher gebracht
Ist ja und
bleibt ein Gott der Macht.“
Ähnliche Wendungen wiederholen sich in den folgenden Strophen. Es handelt sich im wesentlichen darum, das Herz des Kriegers im Wüten der Feldschlacht und beim Donnern der Kanonen zu stärken und ihm die Schrecken der Schlacht ertragen zu helfen, bis der Sieg winkt:
„Gewiß,
daß Du, der Du mich liebst
Mir einst die
Siegeskrone gibst.“
Auch der „Gesang bey dem Abmarsch der hochf. Brandenburg.-Anspach.-Bayreuthischen Auxiliar-Truppen“, der verfasserlos 1777 in der Hof und KanzleiBuchdruckerei J. D. Messerer in Bayreuth publiziert wurde18), suchte die markgräfliche Subsidienpolitik mit 21 Strophen zu decken und zu rechtfertigen.
„Sein
junger Morgen dämmert schon,
Der Aufbruchstag
ist da!
Die Trommel
lärmt, ihr lauter Ton
Ruft: Nach
Amerika!"
Die England gewährte Waffenhilfe versucht man vor allem damit zu begründen, daß man auf die Unterstützung der deutschen Truppen durch die Briten in vergangenen Kriegen hinweist:
„Was
gehn uns Englands Colonien
Was die Rebellen
an?
Was soll in
andre Welten ziehn
Kind, Vater,
Ehemann?“
Diese Klageworte stoßen die Eltern beim Abschiede aus. Doch sie sollen sich beruhigen:
„Schweigt
aufgebrachte Töchter
Besiegt den
irr’gen Wahn
Was wir jetzt
tun, hat seiner Seits
Der Britte
längst gethan.
Er sah den
stolzen Gallier
Uns Tods und
Knechtschaft drohn
Und großmuthsvoll
kam er daher
Befreite uns
davon.
Auf wilden
Wellen nahten sich
Die Helfer
Teutschem Strand
Und wie ein
Gott vom Himmel
Ihr König selbst
ans Land!
Georg erschien:
ihm folgete
Die Waffen
in der Hand
Der Stolz der
Brittischen Armee
Sein Sohn:
Held Cumberland!“
In diesem panegyrischen Tone geht es weiter. Nachdem noch an die bereits durch Hessen und Braunschweiger erwiesene Tapferkeit erinnert und Nacheiferung empfohlen wird, werden die Soldaten noch eigens ermahnt, den geschlagenen Feind zu schonen und ihn, obwohl Rebell, menschlich zu behandeln; der Sieg werde dann sicher sein.
„Ihr
kommt. Ha! welch ein Jubelton
Erschallet überall
Der frohe Vater sieht den Sohn
Die Gattin den Gemahl.“
Auch aus den Reihen der Kriegsteilnehmer selbst liegt eine Art Heldenepos vor. Der Verfasser ist leider nicht bekannt: „Die Eroberung von Charlestown.“ – „Poetisch beschrieben von einem anspachischen Jäger in America“. Das Gedicht erschien 1785 ohne Verlagsort19). Behandelt wird die Expedition des englischen Generals Henry Clinton 1779/80, an der Ansbachische Jäger mit Auszeichnung teilnahmen und die Eroberung Charlestowns zum Erfolge hatte. Es war eine der bedeutenderen Unternehmungen der Engländer gegen die Aufständischen, die aber das Kriegsgeschick nicht mehr ändern konnten. Da die Belagerer durch das amerikanische grobe Geschütz ständig hart bedrängt wurden, detachierte man 60 Ansbacher Jäger, die als Scharfschützen dem Feinde heftig zusetzten und die Belagerungstruppen entlasteten.
Der Autor wollte mit seinen Versen diesem schneidigen Einsatz der Jäger ein Denkmal setzen, wie er in dar Vorrede selbst sagt20): "... Dieses ... ausgeführte Unternehmen der Jäger und das ihnen dieserhalb von der ganzen Armee beigelegte ausgezeichnete Lob, hat die Einbildung des Verfassers erhitzt, eine kurze Beschreibung der ganzen Expedition aufzusetzen. Man erwarte aber ja nicht ein regelmäßiges Gedicht, da der Verfasser als ein Ungelehrter, solches nicht für Kenner der Dichtkunst, sondern bloß für Soldaten zur Erinnerung und zum Zeitvertreib aufgesetzt hat.“ Er bringt diese Gedanken auch noch einmal in Gedichtform zum Ausdruck21):
„Euch
(ehemaligen Soldaten) sing ich im Soldatenton
Der Teutschen
Jäger Tat
Bey Clintons
Expedition
Wie Ihr sie
selber saht.
....
Kein Autorstolz
und kein Gewinn
Bließ mirs,
Ihr ißt es ein;
Es soll Euch
Brüdern künftighin
Bloß zum Vergnügen
sein.
Drum Dichter!
Hoff’ ja kein Gedicht
Für nur gelehrtes
Ohr
Der Barden
Kunst verseh ich nicht,
Nur Kriegern
sing ich vor.“
Trotz dieser bescheidenen Vorrede ist jedoch die ganze Fabel nicht ungeschickt eingefädelt und durchgeführt.
Recht anschaulich wird die Einschiffung der deutschen und englischen Truppenabteilungen unter den Unbilden des harten Wintermonats auf die Kriegsschiffe „Romulus“ und „Roebuck“ unter dem Kommando des englischen Vizeadmirals Arbuthnot geschildert und das bange Fragen und Erwarten der Verladenen, wohin wohl die Reise gehe:
„Der
Winter ist ja längst schon hier
Wo kein Soldat campirt
Drum glaube Bruder, werden wir
In wärmres Land geführt
Meinthalben gehts nach Afrika
Fiel ihm der erste bei,
Ich bin vergnügt, ist man nur da
Vor Kält’ und Hunger frei.“
Nach furchtbaren Stürmen, schweren Entbehrungen und eintöniger Schiffskost gelangte man endlich erschöpft an der Küste von Georgien, unweit der Stadt Savannah22) an und segelte von dort aus weiter zum Nord-Edisto23) Fluß. Da der Transport reichlich lange Zeit unterwegs war und durch das üble Wetter aufgehalten wurde, waren schon in der amerikanischen Presse Gerüchte über den Untergang des Geleitzuges verbreitet worden24).
Voll Staunen landete man in der frühlingshaften Natur Carolinas, unweit Charlestowns. Neugierig betrachtete man die schwarzen Plantagensklaven, die von der flüchtenden Zivilbevölkerung zurückgelassen waren:
„Und
doch so groß, die Furcht so sehr
War jedermann
Rebell
Drum fanden
wir die Häuser leer
Und alles flohe
schnell
Es traf bloß
eine große Zahl
Von Negern
bei uns ein
Die halb bedeckt
und allzu oft
Dem Vieh fast
ähnlich sein.
Doch ohne Kleidung,
ohne Brod
Sind sie vergnügt
mit Reiß
Der Schwarze
kennet keine Noth
Weil er vom
Glück nichts Weiß.“
Anmerkungen:
1) Zur Frage der Ansbacher Miettruppen vgl. vor allem: Oskar Bezzel, AnsbachBayreuther Miettruppen im Nordamerikanischen Freiheitskrieg 1777/1783. (ZBLG/81935; S. 185 ff.). Dort auch eiere Zusammenstellung der Literatur und der hauptsächlichsten Quellen. Hier wird außerdem ein Akt des Staatsarchivs Bamberg: Rep. C 75/4 nr. 26: aus den Kollektaneen des Plassenburger Archivars Spieß benützt: „Die in königl. Großbrittanischen Sold nach America überlassenen hochfürstl. Brandenburg. Kriegsvölker betr.“ Es handelt sich um einen Sammelakt, der Kriegsberichte, Kriegsgedichte, Verordnungen und dgl. Enthält. Über den Vertrag vgl. Bezzel 198, 418ff.
2) Vgl. Bezzel a. a. O. 186.
3) Vgl. Bezzel a. a. O. 186, 416.
4) Vgl. Bezzel a. a. O. 416.
5) Vgl. Bezzel a. a. O. 192 und vor allem 428.
6) Vgl. Hettner H.: Geschichte der deutschen Literatur im 18. Jahrh. (Ausg. 1928) II, 274ff.
7) Bezeichnend für diese Stimmung ist nach einer 1778 anonym erschienenen Schrift: Nachrichten und Erinnerungen an verschiedene teutsche Völker, die von ihren Fürsten nach America verschickt worden sind. Z. B. S. 2: ... Sie (die Tyrannen) leiden, daß man einen Menschenhandel unter ihnen treibt... (Staatsarchiv Bamberg, Amtsbibliothek nr. 166/8°)
8) Handschriftlich enthalten bei Spieß a. a. 0.
9) Über die franz. Rührkomödie vgl. Suchier/Birch/Hirschfeld: Gesch. der franz. Literatur II (1913) 246 ff
10) Über diesen Hetener a. a. O. II, 73 ff.
11) Handschriftlich bei Spieß a. a. O.
12)
Gedruckt ohne Jahr und Ort 8 S./8°. Vorhanden i. d. Amtsbibliothek des Staatsarchivs
Bamberg nr. 129/8°. Ein ähnliches Lied handschriftlich bei Spieß a. a. O.: „Abschiedslied
für einen Jäger“:
“Die Jagd ist nun vollbracht
Und alles wohl gemacht
Die Ordre aufzubrechen
Und widern Feind zu fechten
Das wird uns proponiert
Wir werden abgeführt.
?? was iezund für Sinn
Weiß keiner nichts wohin
Die Väter protestieren
Die Mütter lamentieren
Ein jeder um seinen Sohn
Den sie jetzt führ'n davon
Das haben wie zum Lohn.“
Als Verfasser wird von Spieß ein gewisser Pöhner angegeben, der seinem ganzen
Stil nach auch die „Arien“ gedichtet haben könnte.
13) Handschriftlich bei Spieß a. a. O.
14) Über ihn Fikenscher G. W. A.: Gel. Fürstentum Baireut. . VII (Nürnberg 1804) 70 ff. und Meyer A.: Biogr. u. Litterar. Nachrichten über die Schriftsteller i. d. Fst. Ansbach u. B. (Erlangen 1782) S, 264 Petermann wurde 1722 in Nürnberg geboren und starb 1794 als Consistorialvicepräsident in Bayreuth. Nach Meyer waren seine Fabeln im französischen Geschmacke geschrieben und waren teilweise Übersetzungen, darunter auch Fabel Lafontaines.
15) Darüber Bezzel a. a. O. 399ff.
16) Darüber existiert ein gedr. Hofratsmandat, vom 21.12.1781 (Ansbach) Vgl. Spieß a. a O.
17) Erschienen bei Fieweger in Bayreuth. In der Amtsbibtiothek des Staatsarchivs Bamberg nr. 184/8°
18) 2 Bl./4°, In der Amtsbibliothek des Staatsarchivs Bamberg nr. 531/4°.
19) 77 Seiten in der Amtsbibliothek nr. 131/8°
20) Ebd. S. 5. Über den Verlauf der Ereignisse vgl. Bezzel a. a. O. 398 ff.
21) Ebd. s. 7 f.
22) Stadt in Georgia südl. Charleston.
23) Fluß südlich von Charleston und nördlich von Savannah.
24) Ebd. S. 21 Anm. 5