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"Juchhe nach Amerika!"-Der Einsatz fränkischer Truppen im Amerikanischen Unabhängigkeitskriegvon Jochen Seidel |
Ungefähr 30.000 deutsche Soldaten dienten dem britischen König George III. im Kampf gegen die amerikanischen Aufständischen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783). Nur wenigen ist heute noch bekannt, dass sich auch etwa 2.500 fränkische Soldaten unter diesen deutschen Hilfstruppen befanden. Markgraf Carl Alexander von Ansbach-Bayreuth hatte sie, um seine Schuldenlast zu tilgen, für gutes Geld an den britischen König vermietet, der sie ganze sechs Jahre in Anspruch nahm. Wie es dazu kam und was die fränkischen Soldaten auf dem amerikanischen Kontinent erlebten, soll auf den folgenden Seiten dargestellt werden.
I. Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg
Die Androhung hoher Strafen bei Zuwiderhandlung schürte den Protest der Amerikaner, die nicht einsehen wollten, warum sie trotz hoher steuerlicher Belastung immer noch keine politische Mitsprache hatten. Der Ausruf "No taxation without representation!" (Keine Besteuerung ohne politische Mitsprache) machte erstmals die Runde. Der Protest der Kolonisten und der Aufruf zum Boykott britischer Waren zeigten bald Wirkung, so dass diese Verordnung bereits ein Jahr später wieder aufgehoben wurde. Die Amerikaner hatten einen ersten Sieg errungen.
Doch dann wurde erneut eine weitere Besteuerung - in Form der Tea Act (1773) - erlassen, welche den stark subventionierten Tee aus Indien nach Amerika importieren sollte. Die Amerikaner boykottierten fortan britischen Tee und schritten zur Tat. In der berühmten "Boston Tea Party" verliehen eine Gruppe Kolonisten ihrer Wut auf die britische Regierung Ausdruck, indem sie - teilweise als Indianer verkleidet - britische Schiffe stürmten und die kostbare Teeladung in den Bostoner Hafen warfen. Die prompte Antwort waren weitere drakonische Verordnungen und Strafen.
Beginn der KampfhandlungenIm September 1774 schließlich trat der erste "Kontinentalkongress" in Philadelphia zusammen. Abgeordnete aus den 13 Neu-England-Staaten beschlossen hierbei die Einstellung des Handels mit der Mutternation Großbritannien, um die alte Rechtslage vor 1763 wiederherstellen zu können.
Die Amerikaner bereiteten anschließend die Eroberung Bostons vor und erreichten dieses Ziel, nachdem sie etliche Geschütze aus dem kurz zuvor eingenommenen Fort Ticonderoga am Lake Champlain in Stellung bringen konnten. Die Briten erkannten die ausweglose Situation und ergriffen die Flucht. Der neue Oberkommandierende Sir William Howe rückte mit 12.000 Soldaten ab und segelte nach Halifax, Nova Scotia. Der Kriegsschauplatz verlagerte sich nun nach New York, wo Washington sich auf eine bevorstehende große Invasion zu Schiff vorbereitete. 32.000 Soldaten - allein 8.000 davon waren deutsche Miettruppen - segelten unter dem Kommando von Howes Bruder Admiral Richard Howe nach Süden und trafen am 29. Juni 1776 vor der Küste New Jersey bei Sandy Hook ein. Doch wieder zögerte Howe und wartete ganze zwei Monate, ehe er seine Truppen an Land brachte und den Kampf suchte.
Kämpfe um New YorkLong Island und Manhattan Island wurden von Washingtons Truppen gehalten, ehe am 22. August 1776 die Briten bei Gravesend Bay landeten und die Amerikaner nach wenigen Tagen in die Flucht schlugen. Da Sir William Howe wieder nicht nachsetzte, gelang Washington die Flucht über den Delaware River nach New Jersey. Seine Soldaten waren mittlerweile in äußerst schlechtem Zustand - die Ausrüstung aufgebraucht, völlig entkräftet und demoralisiert wären sie ein leichtes Opfer für die Briten geworden. Für alle völlig unerwartet landete Washington einen Überraschungscoup, bei dem am Weihnachtstag 1.200 Hessen in die Hand der Amerikaner fielen.
Unfähigkeit des OberkommandosDas britische Oberkommando lag bei Sir William Howe, der aber, genauso wie sein Nachfolger General Clinton, der Sache keineswegs gewachsen war. Obwohl die Ausbildung und die Bewaffnung der britischen Truppen denen der amerikanischen Milizen überlegen waren, fehlte es den Briten doch am Willen und der nötigen Entschiedenheit, die Aufständischen niederzuwerfen. Ende 1776 schien der Krieg bereits zu Gunsten der Briten entschieden gewesen zu sein. Die Truppen George Washingtons waren geschlagen, lösten sich auf und waren größtenteils völlig demoralisiert. Der Überheblichkeit der englischen Generalität ist es zuzuschreiben, dass der Krieg zu diesem Zeitpunkt nicht beendet wurde. Statt mit Nachdruck den fliehenden Milizen nachzurücken, gingen die Briten ins Winterquartier, die Oberkommandierenden selber reisten nach London ab, wohl um dem König die sichere Siegesbotschaft zu überbringen. Währenddessen gelang es Washington und seinen verbliebene Truppenteilen, über den Fluss Delaware zu entkommen, sich neu zu formieren und den eben erwähnten Gegenschlag vorzubereiten. Unterstützt von französischen Freiwilligen wie Lafayette und Rochambeau gelang es den amerikanischen Truppen, zum Jahreswechsel 1776/77 die Initiative zu ergreifen. In dieser Situation suchte der britische König nach Verstärkung. Bislang waren bekanntlich bereits deutsche Truppen aus Braunschweig und Hessen-Kassel auf dem amerikanischen Kriegsschauplatz eingesetzt worden, nun wurden auch Verhandlungen mit Hessen-Hanau und dem Fürsten von Waldeck aufgenommen. Die markgräflichen Truppen aus Franken sollten bald folgen.
Die Aushandlung des Subsidienvertrags mit dem MarkgrafenDie Vorstellung, eigene Truppen an einen fremden, ausländischen Staat zu vermieten, passt nicht in unsere heutige Denkweise. Dennoch muss man sagen, dass diese Vorgehensweise alles andere als ungewöhnlich für die damalige Zeit gewesen ist. Viele Duodezfürsten jener Zeit haben ähnliches gemacht, so dass es aus der damaligen Zeit heraus betrachtet keineswegs als unmoralische Tat angesehen werden kann. Freilich war die öffentliche Meinung auch hier gespalten. In zahlreichen Pamphleten äußerten sich Autoren zu diesem schändlichen Verhalten. Schriftsteller wie beispielsweise Friedrich Schiller griffen den Soldatenhandel auf und verarbeiteten ihn in ihren Stücken. Der Titel dieses Aufsatzes etwa stammt aus Schillers Kabale und Liebe. Jonathan Swift, Autor des weltberühmten "Gullivers Reisen", schrieb im Kapitel, das im Land der Houyhnhnms spielt, folgendes:
Die Anfänge dieser Praxis gehen bis ins Mittelalter zurück, zu einer Zeit, da man dies "Pensionswesen" zu nennen pflegte. Einen ersten Höhepunkt jedoch erlebte der Soldatenhandel freilich in der Zeit des 30jährigen Krieges, als Männer wie Wallenstein als Kriegsunternehmer auftraten, auf eigene Kosten Truppen aufstellten und sie nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten in die Dienste desjenigen stellten, der bereit war, entsprechende Geldleistungen zu zahlen. Diese auch als Condottieri oder Kriegstreiber bekannten Männer verdienten nicht schlecht am Krieg. Mitte des 17. Jahrhunderts, im beginnenden Zeitalter des Absolutismus, schien ein Ende dieser Praxis gekommen zu sein. Die vielen absolutistischen Fürsten machten sich daran, erstmals stehende Heere aufzubauen, die ihnen v.a. als Prestigeobjekt dienten. Das Frankreich Ludwigs XIV. war das Vorbild und jeder noch so kleine Fürst in Europa wollte es ihm gleichtun. Der Unterhalt dieser Truppen war natürlich kostspielig. Was tun, wenn die Staatskassen leer waren? Das Vermieten der Truppen an ausländische Staaten war die logische Schlussfolgerung. Zahlreiche deutsche Kleinstaaten, allen voran der Landgraf von Hessen-Kassel, vermieteten ihre Soldaten ins Ausland, um so die leeren Staatskassen wieder aufzufüllen und den luxuriösen Hofstaat finanzieren zu können. Kriege gab es immer, so dass immer genug Geld in die heimischen Kassen floss. Seit dem Westfälischen Frieden von 1648 war es bekanntlich jedem Landesfürsten erlaubt, mit dem Ausland Verträge jeder Art zu schließen, freilich nur, wenn dadurch die Sicherheit des Reiches nicht gefährdet war oder ein anderes Reichsrecht gebrochen wurde. Deutsche Truppen fanden sich so bald auf beinahe jedem europäischem Schlachtfeld wieder, so etwa im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714), als Hilfe für Venedig gegen das Osmanische Reich (1686) oder im Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Das weitaus größte Kontingent - immerhin zusammen 30.000 Mann - deutscher Soldaten im Ausland sollte jedoch nach Nordamerika geschickt werden, wo sie für die britische Regierung gegen die "aufständischen Siedler" kämpfen sollten. Als sich bereits 1775 abzeichnete, dass es in den amerikanischen Kolonien zu einer schweren Auseinandersetzung zwischen der Kolonialmacht und den Kolonisten kommen würde, boten viele deutsche Kleinstaaten der britischen Krone ihre Dienste an. Unter ihnen befanden sich natürlich der Landgraf von Hessen-Kassel, aber auch Hessen-Hanau, Braunschweig und Anhalt-Zerbst. London jedoch lehnte noch ab, da zu diesem frühen Zeitpunkt des Krieges noch keinerlei Handlungsbedarf bestand. 1777, also zwei Jahre nach Beginn des Unabhängigkeitskrieges, hatte sich die Situation jedoch drastisch verändert. Die Briten standen unter Druck, nicht nur in den Kolonien, sondern auch in der Heimat, wo eine breite Öffentlichkeit für den Freiheitskampf der Amerikaner protestierte. Um die Situation zu entspannen, bediente man sich nun lieber fremder Soldaten, als dass man eigene britische Untertanen für einen so unpopulären Feldzug opferte! Die deutschen Fürsten waren darüber natürlich hocherfreut und warben nun sofort beim britischen Unterhändler für ihre Truppen. Bayern, Hessen-Kassel, Anhalt-Zerbst, Württemberg, die Pfalz und natürlich Ansbach-Bayreuth boten sich an. Was nun geschah, war ein politisches Ränkespiel erster Güte. Jeder Fürst versuchte, die eigene Stärke und Güte seiner Truppen hervorzuheben und gleichzeitig die Konkurrenz zu torpedieren, was im Falle Bayerns gar nicht nötig gewesen war, da das bayerische Militär - zumindest zu jener Zeit - ohnehin als nicht sonderlich brauchbar galt. Hessen-Kassel schwärzte das aus vielen Katholiken bestehende Heer der Pfälzer an, so dass das anglikanische Königshaus Großbritanniens tunlichst von einer Verpflichtung Abstand nahm. Und Ansbach-Bayreuth schließlich merkte an, dass ein Subsidienvertrag mit dem Hause Württemberg auf den heftigen Widerstand der württembergische Landstände stoßen und so kaum zum Erfolg führen würde.
Gegenstand der Vereinbarungen waren zwei Infanterieregimenter und eine Jägerkompanie, zusätzlich noch etwas Artillerie, alles in allem 1285 Soldaten, die für einen Betrag von jährlich 45.000 Bancothalern in den Dienst des britischen Königreichs gestellt wurden. Transport, Sold und Verpflegung oblag der britischen Regierung, ebenso die Kosten für die eventuelle Aufstellung einer neuen Einheit, wenn zu hohe Verluste zu beklagen seien. Das sogenannte "Blutgeld", das sich die britische Regierung an Braunschweig, Waldeck oder Hessen-Hanau zu zahlen verpflichtete, wurde im Vertrag mit dem Markgrafen von Ansbach-Bayreuth nicht vereinbart. Die Briten zahlten nämlich für jeden getöteten, gefangenen oder dienstunfähig gewordenen Soldaten 7 Pfund und 10 Schillinge an den Landesherrn. Dabei wurden je drei verwundete Soldaten als ein Toter "verrechnet"! Ein Soldat war demnach 37 1/2 Bancothaler bzw. 9 Pfund Sterling wert. Im einzelnen umfasste der Vertrag mit Markgraf Carl Alexander folgende Truppenteile:
Gemmingen versuchte, den Abschluss des Subsidienvertrags zu rechtfertigen, als er an den markgräflichen Agenten in London schrieb: "Es kommt mir immer sehr hart an, mit Truppen zu handeln, aber der Markgraf ist entschlossen, die Sache um jeden Preis zustande zu bringen, um seine und seiner Vorgänger Schulden bezahlen zu können. Auf diese Weise wird freilich das Gute, das aus dem Subsidien-Vertrag entspringt, die schlechte Seite des Geschäftes überwiegen. [...] Der Vertrag, den wir soeben abgeschlossen haben, ist viel günstiger als wir erwarten konnten. [...] Die Sache wird natürlich in dem möglichst ungünstigen Licht von Leuten angesehen werden, die es nicht verstehen, eine Staatsangelegenheit im Rahmen des Ganzen und nach ihren besonderen Motiven zu beurteilen. Aber sobald diese Leute sehen, wie fremdes Geld in unser armes Land fließen wird, sobald sie sehen, dass dessen Schulden bezahlt werden mit den Mitteln, die uns jetzt zufließen, so werden sie und die ganze Welt entzückt sein und erkennen, dass die Truppen, deren Pflicht es ist, die Feinde des Landes zu bekämpfen, den schlimmsten Feind besiegt haben, nämlich - unsere Schulden. Selbst der niedrigste Soldat, der nach Amerika geht, gut bezahlt und wohl versorgt wird, wird mit seinen Ersparnissen zurückkehren und stolz darauf sein, für sein Vaterland und seinen eigenen Vorteil gearbeitet zu haben [...] Ich bin im allgemeinen ein erklärter Feind von solchem Handel mit Menschen; aber es gibt Fälle, in denen Schlechtes sich in eine Wohltat verwandelt, so verhält es sich, wenn ich mich nicht irre, in diesem Falle."
Die Denkweise entspricht geradezu in typischer Weise der Zeit. Die Staatsräson überwog allen anderen Interessen. Die Schuldenlast des Markgrafentums war mit 5 Millionen Gulden so erdrückend, dass die Aushandlung dieses Mietvertrags nur eine logische Konsequenz war. Zwar sei der Handel mit Menschen durchaus etwas Verwerfliches, doch ging in diesem besonderen Fall das Wohl des Staates vor. Gemmingen versuchte sich zudem einzureden, dass selbst die beteiligten Soldaten Profit aus ihrer Situation schlagen könnten, vergaß jedoch, welche unglaubliche Not auf diese zukommen sollte. Nur wenige Kriegsteilnehmer sollten die Heimat wiedersehen, einen großartigen Verdienst konnte kaum einer mit nach Hause bringen.
- Die AnwerbungenEin verhältnismäßig kleines Territorium wie Ansbach-Bayreuth tat sich schwer, aus seinen "Landeskindern" ein genügend großes stehendes Heer zu rekrutieren. Offiziellen Zahlen zufolge sollen Ende des 18. Jahrhunderts circa 420.000 Einwohner in der Markgrafschaft gelebt haben, wovon etwa 22.000 Männer dienstpflichtig gewesen sein sollten, wovon wiederum aber nur ein geringer Prozentsatz auch als diensttauglich eingestuft worden war. Um dieses Manko auszugleichen, wurden in großer Zahl "Ausländer", d.h. junge Männer aus anderen deutschen Territorien des Reiches, für den Militärdienst angeworben. Auch wenn es unglaubwürdig erscheinen mag, so waren doch viele der angeworbenen Soldaten echte Freiwillige, die v.a. das Geld und das Abenteuer in der unbekannten Ferne lockte. Natürlich gab es auch Soldaten, die zum Militärdienst gezwungen worden sind sowie solche, die durch den Dienst bei den markgräflichen Truppen Straffreiheit für kleinere Straftaten erhielten. Insbesondere junge Adelige sahen im bevorstehenden Einsatz die Chance, sich militärisch auszuzeichnen und Ehre zu erlangen. Angeworbene Soldaten erhielten als Belohnung das sogenannte "Handgeld", welches in der Regel der Körpergröße entsprechend gezahlt wurde. So erhielten sie bis 171 cm Größe 10 fl. (Gulden), bis 178 cm 12 fl. und darüber sogar 16 fl. Die Hilfstruppen müssen letztendlich ein Konglomerat aus vielerlei gesellschaftlichen Schichten dargestellt haben, oder, wie es der Hesse Johann Gottfried Seume ausdrückte, einem "Menschenragout" geähnelt haben.
II. Der Weg nach Amerika
Am 7. März 1777 waren alle Truppenteile in Ansbach zusammengezogen worden und konnten nun von ihrem Landesherren Markgraf Carl Alexander feierlich verabschiedet werden. Die Marschroute führte die Soldaten über Ottenhofen, Markt Bergel und Burgbernheim nach Uffenheim. Hier verließen sie erstmals den heimatlichen Boden, den viele erst in sechs Jahren oder überhaupt nicht mehr sehen sollten. Auf dem Gebiet des Würzburger Fürstbischofs bestiegen die Soldaten in Ochsenfurt am Main (9. März) Schiffe, die sie schneller flussabwärts transportieren sollten. Bei der Verladung auf die Mainschiffe kam es zum ersten ernsthaften Zwischenfall der Unternehmung. Einige Soldaten schienen nun erst den Ernst der Lage erkannt zu haben, und hatten keinerlei Lust, sich fern der Heimat, für eine Sache, die ihnen persönlich nichts bedeutete, den Kopf hinzuhalten. Manche, so wird berichtet, sollen gar bei der Musterung absichtlich belogen worden sein. Man hätte ihnen gesagt, sie würden auf der Seite der Amerikaner für die Freiheit kämpfen! Ein Großteil der Truppen schließlich war empört über die Unterbringung auf den engen und stickigen Mainschiffen, insbesondere auch deshalb, weil das Gerücht umging, dass dies die Schiffe wären, mit denen sie die gefährliche Überfahrt nach Amerika unternehmen sollten. Zu guter Letzt soll die Bevölkerung der umliegenden Orte lautstark gegen einen derartigen Menschenhandel geklagt und so bei manchem Soldaten ernsthafte Zweifel geweckt haben. Eine Hauptschuld an der folgenden Meuterei trug aber zweifelsohne der überhöhte Alkoholgenuss der Soldaten. Derart verunsichert und unzufrieden verließen Teile der Einheiten die ihnen zugedachten Schiffe - zuerst die Ansbacher, dann auch die Bayreuther. Selbst das gute Zureden der beiden Kommandeure konnte die Unzufriedenen nicht zur Besinnung bringen (11. März 1777). Während sich bereits viele in den nahegelegenen Weinbergen vergnügten und manche sich wieder nach Uffenheim abzusetzen begannen, traten die den Kommandeuren treu ergebenen Jäger in Aktion. Ihre Aufgabe war es, die Befehlsverweigerer mit "sanftem Druck" wieder auf die Schiffe zu befördern. Hierzu wurde auch der eine oder andere "Schreckschuss" abgefeuert, was natürlich noch mehr Unmut und Hass auf die Jägerkompanie entstehen ließ. Aus den anfänglichen Schreckschüssen entwickelte sich bald ein handfestes Gefecht, bei dem letztendlich "einige Blessierte" und sogar ein Todesopfer zu beklagen waren! Ein Teil der Flüchtlinge - allein 40 vom Bayreuther Regiment - desertierte und nur wenige konnte später eingefangen und entsprechend bestraft werden. Markgraf Carl Alexander, der durch Expressboten von diesen ungeheuerlichen Ereignissen in Kenntnis gesetzt worden war, ritt nachts im Eiltempo nach Ochsenfurt, wo er in den frühen Morgenstunden des 12. März 1777 eintraf. Der so besorgte Landesfürst ließ sofort seine Truppen antreten, ging durch ihre Reihen und erkundigte sich nach den Sorgen und Nöten der Soldaten. Diejenigen, die nicht gewillt waren, nach Amerika zu reisen, könnten den Dienst quittieren, sagte er, fügte jedoch gleich hinzu, dass dies den Verlust allen Vermögens des Betreffenden zur Folge hätte. Selbstredend machte keiner der Anwesenden von diesem zweifelhaften Angebot Gebrauch! Um einen derartigen Vorfall nicht noch einmal geschehen zu lassen, begleitete der Markgraf nun seine Truppen bis zum Einschiffen am Meer. Zusätzlich sollen auf Würzburger Gebiet Truppen des Bischofs am Ufer des Mains entlang geritten sein, um einen erneuten Zwischenfall zu verhindern. Am 15. März wurden die fränkischen Soldaten in Hanau auf größere und schnellere Schiffe umgeladen. Für die Weiterfahrt mussten die Franken die Erlaubnis der Anrainerstaaten einholen, so von den Kurfürsten von Mainz, Köln und Trier, sowie vom Kurfürsten von der Pfalz und Preußen. In Hamm, wo sie am 21. März eintrafen, verließen die Soldaten für einen kurzen Gottesdienst die Schiffe. Am 25. März gelangten die Soldaten schließlich nach Nimwegen, wo sie von Colonel William Faucitt in Empfang genommen wurden, der sich beeilte, die Hilfstruppen per Eid in den Dienst des Königs von Großbritannien zu stellen. Oberst Rainsford meldete Lord Suffolk nach der Musterung der fränkischen Truppen: "Es sind prächtige Kerle, jung und gut gebaut, kurz ein herrliches Korps. Ich fürchtete, sie würden nicht ohne Weiteres den Eid der Treue leisten, da ihr Gemurre noch kurz vorher ihre eigenen Offiziere beunruhigt hatte; allein die Anwesenheit ihres Fürsten, des Markgrafen, der sie von Ochsenfurt bis hierher begleitet hatte, verhinderte den Ausbruch selbst der geringsten Unzufriedenheit." Carl Alexander verabschiedete sich am 26. März 1777 zum nun endgültig letzten Mal von seinen Truppen und kehrte nach Ansbach zurück. Zwei Tage darauf erreichte man Dordrecht an der holländischen Küste, wo sie auf englische Dreimastschiffe überwechselten, die sie letztendlich nach Nordamerika bringen sollten. Insgesamt benötigte man neun Schiffe, je vier für die beiden Infanterieregimenter und eines für die Jägerkompanie.
Auf getrennten Schiffen - die Vorkommnisse von Ochsenfurt waren ja noch keine vier Wochen her - stachen die Truppen am 29. März endlich in See. Bereits am 1. April kam Dover in Sicht. In Portsmouth war ein erster Landgang möglich (2. bis 6. April 1777), da der Konvoi noch auf weitere Truppentransporter wartete. Am 7. April früh morgens brach die Flotte zu ihrer Überfahrt nach Amerika auf. Die insgesamt 17 Schiffe wurden dabei von nur einem einzigen Kriegsschiff begleitet. Für die fränkischen "Landratten" war die Überfahrt eine furchtbare Erfahrung. Zahlreiche schreckliche Stürme und etliche Erkrankungen waren zu überstehen. In den vorhanden Tagebüchern einzelner Soldaten nimmt die Überfahrt oft einen viel größeren Raum ein als die Kriegsereignisse in Amerika. Zu schrecklich müssen die Erlebnisse gewesen sein. Feilitzsch beispielsweise berichtet: "Wir wurden alle krank, ich wünschte mir immer auf unserer Reise, der ärmste Tagelöhner zu sein, Gott bewahre einen vor der See." Am 2. Mai wurden die Azoren gesichtet, wenig später waren die ersten Opfer zu beklagen. Der Diener von Leutnant Diemar (Regiment Voit) hatte sich das Leben genommen, ein weiterer Mann war ebenfalls verstorben. Vier Wochen später (3. Juni 1777) wurde das amerikanische Festland gesichtet, doch durften die frischen Hilfstruppen erst zwei Tage später den Boden der Neuen Welt betreten. Nach dieser entbehrungsreichen Überfahrt war der Anblick des unbekannten Kontinent ein eindrucksvolles Schauspiel. Kaum einer wusste etwas Genaues von jenem Ort, von seiner Flora und Fauna, von seinen landschaftlichen Besonderheiten oder von den Menschen, die dort lebten. Bei Staten Island in der Nähe von New York gingen sie schließlich nach gut drei Monaten entbehrungsreicher Reise von Bord. "Wir brannten bei unserer Ankunft gleich vor Verlangen, Proben von unserer Tapferkeit abzulegen und zu zeigen, dass es dem deutschen und insbesondere dem von jeher berühmten fränkischen Blute nicht an Mut fehle, und solchen auch in einem anderen, entfernten Weltteil blicken zu lassen." Die Ansbach-Bayreuther Truppen waren nun mitten im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.
III. Die Kriegsjahre in Amerika 1777-1781Das Jahr 1777Der britische General Sir William Howe wurde der Oberbefehlshaber der Neuankömmlinge. Die Jäger unter Hauptmann von Cramon trennten sich jedoch gleich nach der Ankunft von ihren Kameraden und wurden dem hessischen Jägerkorps von Wurmb angegliedert, welches unter dem Oberbefehl von Lord Cornwallis stand. Deren Spur zu verfolgen erweist sich nun als besonders schwierig, zumal da die Jägereinheiten fortan oft nur unter dem Namen hessische Jäger subsumiert wurden. Sicher ist, dass die Ansbacher Jäger sehr häufig in Kampfhandlungen verwickelt wurden und sich dabei, wie es die zeitgenössischen Chronisten jedenfalls immer wieder behaupteten, durch ihre Tapferkeit und gute Ausbildung auszeichnen konnten. Der Krieg auf einem so riesigen Kontinent war etwas völlig Neues. Der britische König hatte jedoch insgesamt kaum mehr als 55.000 Soldaten und zusätzlich 28.000 Matrosen unter seinem Befehl stehen. Blickt man auf diese relativ geringe Truppenstärke, dann wird das Unterfangen, die 13 amerikanischen Kolonien damit zu verteidigen, völlig hoffnungslos scheinen. Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg war demnach auch eine Reihe zahlloser kleiner Gefechte, Scharmützel und Hinterhalte. Größere Zusammenstöße der britischen und der amerikanischen Verbände gab es nur selten. Diese Art der Kriegführung behagte den Franken aber gar nicht. Im Juni bezogen die Franken ihr Lager in Amboy gegenüber von Staten Island, wo sie den ersten Kontakt mit der amerikanischen Kriegführung hatten. Immer wieder wurden die Soldaten von Heckenschützen beschossen und bei ihren Patrouillengängen in kleinere Geplänkel verwickelt. Das Klima forderte bereits jetzt seine ersten Opfer, als zwei Ansbacher Soldaten der unerträglichen Hitze erlagen. Im Lager bei Amboy erfolgte dann auch die erste Musterung der Ansbach-Bayreuther Truppen durch General Howe. Der zog eine positive Bilanz seiner Truppenverstärkung und lobte die Deutschen wegen deren vorzüglicher Ausbildung und Disziplin, v.a. aber wegen der hervorragenden Ausrüstung, welche die Soldaten mit sich führten. Während britische Truppen am 13. Juni 1777 einen Vorstoß gegen Philadelphia von Amboy aus starteten, blieben die Franken vorerst noch in ihrem Lager zurück. Der Vorstoß misslang jedoch und führte dazu, dass alle britischen Soldaten sich nach Staten Island zurückziehen und deshalb ihr Lager bei Amboy aufgeben mussten. Im neu errichteten Feldlager auf Staten Island verbrachten die fränkischen Grenadiere nun längere Zeit, während die Jäger an dem nun beginnenden zweiten Versuch, nach Philadelphia zu kommen, maßgeblich beteiligt waren.
Die Jäger am Brandywine-Fluss und bei der Eroberung PhiladelphiasIm Juli sammelte sich ein ca. 18.000 Mann starkes Expeditionskorps bei Sandy Hook, wo es auf mehr als 300 Schiffe geladen und zur Chesapeake Bay in Marsch gesetzt wurde. Nach einer mehrwöchigen, erneut unangenehmen Fahrt, gelangte das Expeditionskorps am 22. August zum Head of Elk, wo die Soldaten tags darauf bei Elkpoint an Land gehen konnten. Hier wurden die fränkischen und hessischen Jäger in zwei Korps geteilt, wobei das fränkische Jägerkorps als Vorhut in Lord Cornwallis Truppenteil eingesetzt wurde. Von Elkpoint marschierten beide Truppensäulen getrennt auf Philadelphia vor, wurden dabei mehrmals in kleinere Kampfhandlungen verwickelt, ehe sie sich einige Tage später bei Kings Square erneut vereinigten, um gemeinsam gegen das nahe Philadelphia - in dem sich zu dieser Zeit der amerikanische Kongress befand - vorzurücken. Zur Verteidigung der Stadt hatten die Amerikaner bereits am Brandywine-Fluss Stellung bezogen. Während General Sullivan am linken Flussufer stand, wartete Washington bei Chads Ford auf die heranrückenden Briten.
Die Sicherung des Delaware war fortan von großer Bedeutung für die britischen und deutschen Einheiten in Philadelphia, da nur über diesen Fluss die nötige Verpflegung herangebracht werden konnte. Problematisch war der Seeweg jedoch, da die Amerikaner sogenannte "spanische Reiter" als Sperren in den Fluss eingebaut hatten und zahlreiche Befestigungsanlagen, wie z.B. auf Mud Island, noch besetzt hatten, wodurch der Nachschub regelmäßig gestört werden konnte. Am 21. Oktober 1777 erfolgte dann auch der Angriff auf das Fort Werdere (Reedbank), wobei die fränkischen Jäger beteiligt waren. Unter hohen Verlusten mussten sich die Briten jedoch geschlagen geben. Einige Wochen später wurde ein zweites Fort der Amerikaner - Fort Mifflin ebenfalls auf Mud Island - von Kriegsschiffen beschossen, so dass es von den Insassen schließlich geräumt werden musste. Die abgezogenen Amerikaner zogen daraufhin nach Fort Reedbank, welches am 20. November endgültig aufgegeben und gesprengt wurde. Nach Abzug der amerikanischen Truppen war der Nachschubweg über den Delaware vorerst gesichert.
Die Grenadiere in Staten Island, New York und bei der Sicherung des HudsonWährend dieser Kampfhandlungen im Raum Philadelphia verlief der Dienst der Ansbacher und Bayreuther Regimenter zunächst relativ ruhig. Im Juli wurde das Regiment von Eyb aus dem Lager von Staten Island abgezogen und nach Harlem entsandt, während die restlichen fränkischen Truppenteile in Staten Island verblieben, wo sie beinahe täglich mit kleineren Überfallen zu kämpfen hatten. Am 22. August 1777 unternahm der amerikanische General Sullivan einen groß angelegten Angriff auf Staten Island, der jedoch abermals scheiterte. Viel schwerwiegender als dieser ständige Kleinkrieg war jedoch die Erkrankung von rund 300 Soldaten an Typhus, die die Einsatzbereitschaft und -fähigkeit der Soldaten enorm schmälerte. Drei Tage später trafen die sieben in Ochsenfurt fahnenflüchtig gewordenen Soldaten bei ihrer Einheit ein.
Somit endete das erste Jahr auf dem amerikanischen Kriegsschauplatz für die fränkischen Soldaten des Markgrafen Carl Alexander. Das Resümee der vergangenen Monate war zwiespältig. Nur die Jäger sowie die Grenadierkompanie Erckert waren in echte Kampfhandlungen verwickelt, während die übrigen Truppenteile v.a. als Reserve dienten, dabei aber nichtsdestoweniger hohe Verluste erlitten. Insgesamt waren bei den Ansbachern bereits 51 Tote zu verzeichnen, bei den Bayreuthern 47, von denen ein Großteil einem Typhusleiden erlag. Die Zahl der Fahnenflüchtigen war bereits jetzt beträchtlich. Besonders problematisch war der Verschleiß der Ausrüstungsgegenstände und der Uniformen. Da Winterkleidung nicht vorhanden und auch die Verpflegung mehr als ungenügend war, erkrankten viele Soldaten. Die meisten Soldaten waren sehr unzufrieden, hatten sie sich den Krieg doch gänzlich anders vorgestellt. Viele wollten die Chance nützen, um sich auszuzeichnen und schnell Karriere zu machen. Jetzt aber waren sie vielfach zur Untätigkeit verdammt, dem unerträglichen Klima ausgesetzt oder sahen sich dem energischen Widerstand der Zivilbevölkerung gegenüber. Auch waren inzwischen die Preise gestiegen, so dass nur noch wenige Soldaten es sich leisten konnten, zusätzlich Verpflegung zu erwerben.
Das Jahr 1778Das neue Jahr begann, wie das alte aufhörte: mit beinahe täglichen Scharmützeln und kleineren Überfällen der Amerikaner. Am 14. und 15. Februar 1778 wehrten 60 Ansbacher unter Hauptmann von Ellrodt einen Angriff von über 400 Amerikanern beim Fluss Schuylkill ab, wobei zwei Tote auf Seiten der Franken zu beklagen waren. Im März endlich erreichte eine Flotte von 120 Schiffen das Lager in Philadelphia und brachte die lang ersehnten Nachschubgüter und frische Verstärkung. Der Kommandeur von Eyb führte seine Truppen schließlich im Mai 1778 nach Philadelphia und übergab dort aus Krankheitsgründen sein Kommando an von Voit ab. Von Eyb kehrte daraufhin mit Premierleutnant von Sichart nach Europa zurück. Diese personellen Veränderungen machten es notwendig, die interne Struktur und Kommandoregelung der fränkischen Einheiten zu verändern.
Veränderung der KommandostrukturOberst von Voit trat die Nachfolge von Eybs als Kommandeur des Ansbacher Regiments an, während Major von Seybothen zum Oberst befördert wurde und das Bayreuther Regiment von Oberst von Voit übernahm. Das Jägerkorps wurde unter das Kommando Hauptmanns von Waldenfels gestellt, nachdem Hauptmann von Cramon in die Heimat zurückbeordert wurde. Das britische Oberkommando wechselte ebenfalls: Sir Henry Clinton übernahm die Befehlsgewalt vom eher glücklosen William Howe.
Die Bayreuther und Ansbacher Grenadiere wurden per Schiff nach New York zurücktransportiert, erlebten aber erneut furchtbare Stürme und wurden sogar von französischen Kriegsschiffen beschossen. Bei der Anlandung fiel ein Grenadier namens Teufel in den Fluss "Hellgate" (Höllentor), so dass man sich später erzählte, dass "der Teufel in der Hölle ertrunken sei!" Knapp vier Wochen nach dem Verlassen Philadelphias, am 18. Juni, war der Tross auf Long Island angekommen, wo sie in Hallets Cove ihr neues Lager errichteten.
Die fränkischen Jäger - begleitet von den Hessen und Briten - nahmen den Landweg von Philadelphia aus, da sie die schwere Artillerie mit sich führten. Der Marsch der knapp 13.000 Soldaten war äußerst beschwerlich und kräftezehrend. Die Hitze, Tausende von Moskitos und immer wiederkehrende Angriffe durch die Amerikaner führten dazu, dass viele Soldaten Fahnenflucht begingen. Am 27. Juni 1778 kam es bei Monmouth Court House zu einem schweren Gefecht, wobei der sich mittlerweile auf 14 Meilen hinziehende Tross ein leichtes Ziel bot. Das Jägerkorps "zeichnete sich wieder aus", als der Angreifer zurückgeschlagen werden konnte. Über Middletown und Sandy Hook erreichten die Truppen schließlich am 8. Juli 1778 Harlem.
Die Rhode Island - ExpeditionRhode Island sollte der nächste Einsatzort der fränkischen Grenadiere werden. Nach dem Transport dorthin besetzten fünfzig Ansbacher die kleine Insel Conanicut, die der Stadt Newport vorgelagert ist. Nur knapp zwei Wochen später erschienen der amerikanische General Sullivan und die französische Flotte und Graf dEstaing vor der Insel. In den kommenden Tagen erfuhren die markgräflichen Truppen an der Seite der Briten einen heftigen Beschuss durch französische und amerikanische Kriegsschiffe. Um der Gefahr einer Landung zuvorzukommen, besetzten die Bayreuther das Fort bei Dominikhill. Die feindliche Flotte erschien mehrmals, doch kam es nicht zum Kampf. Unbemerkt verließen auch die Amerikaner auf dem Festland ihre Stellungen. Die fränkischen Truppen wurden ihnen nachgeschickt und trafen bei Redwood Hill auf sie. Das Gefecht brachte jedoch keine Entscheidung. Nachdem sich die Franken dann doch sicherheitshalber nach Newport zurückgezogen hatten, wurde die Insel Conanicut von der amerikanischen Miliz eingenommen. Nur eine Woche später erfolgte der Angriff der Amerikaner auf Newport, der beinahe zum Erfolg geführt hätte, als plötzlich die französische Flotte fortsegelte und die Amerikaner im Stich ließ. Schließlich rückten die Amerikaner gegen Ende August ganz aus Rhode Island ab. Ende November rückten Ansbacher und Bayreuther, später dann auch die Jägerkompanie, in Newport ein, wo sie sich mit schlechten Unterkünften begnügen mussten, nachdem die Briten bereits die besseren Bürgerhäuser unter Beschlag genommen hatten. Die Stationierung in Newport dauerte noch mehrere Monate an und wurde von ständigem Beschuss französischer Kriegsschiffe begleitet.
Die Ankunft der ersten Verstärkung aus EuropaAm 12. Oktober 1778 traf die erste Verstärkung der Ansbach-Bayreuther Truppen in New York ein. Unter der Führung des Garde-du-Corps-Majors von Dieskau stießen insgesamt 318 Soldaten neu hinzu. Ihre Überfahrt hatte ganze 22 Wochen gedauert, nachdem sie bereits am 29. Oktober 1777 ihre Heimat verlassen hatten! Ihr Weg nach Amerika war beinahe noch abenteuerlicher und beschwerlicher als der des ersten Kontingents. Nach dem Abmarsch aus Ansbach, wurde der Verstärkungstrupp in Marktstett eingeschifft und fuhr ohne größere Probleme bis nach Bonn. Dort jedoch, auf nunmehr preußischem Territorium, erreichte sie ein unerwartetes Schreiben vom Preußenkönig Friedrich II., der die Weiterfahrt fremder Soldaten durch sein Gebiet untersagte. Oberst Faucitt und Markgraf Carl Alexander - der der Neffe des Königs war - versuchten zu intervenieren, schrieben persönlich an Friedrich II., ohne jedoch Erfolg zu haben. Vielmehr antwortete der Preußenkönig wie folgt: Javoue V. A. Sérenissime que Je ne pense jamais à la guerre actuelle en Amérique sans être frappé de lempressement de quelques princes dAllemagne de sacrifier leurs troupes à une querelle qui ne les regarde pas. Mon étonnement augmente même quand Je Me rapelle de lhistoire ancienne cet éloignement sage et général de nos ancêtres de prodiguer le sang allemand, pour la défense des droit étrangers. Friedrich II. zeigte sich also bestürzt darüber, dass einige deutsche Fürsten ihre Truppen für Kriege zur Verfügung stellen und opfern, die sie gar nichts angehen. Prinzipiell hatte Friedrich nichts gegen die allgemein übliche Praxis des Soldatenvermietens, hatte er doch selbst einmal geschrieben, dass derartige Heere sich auf den Schlachtfeldern durchaus auszeichnen und viele Erfahrungen mitbringen könnten. Um was es ihm hierbei jedoch ging, waren rein politische bzw. wirtschaftliche Gründe. Die Soldaten haben ihm für seine eigenen Werbungen gefehlt. Mittlerweile war durch die aufkommenden Herbstunwetter an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken. Um der Desertation zu entgegnen, mussten die Soldaten vorerst an Bord der Transportschiffe verharren, als sich die kleine Stadt Bendorf - das seit 1741 durch Erbe im Besitz des Markgrafen war - dazu bereit erklärte, die Soldaten in ihren Mauern aufzunehmen. Wenig später zogen die Franken jedoch nach Hanau ab, wo sie bis zum Februar des Jahres 1778 warteten. Die Uniformen und die dringend benötigten Arzneien durften jedoch unter der Aufsicht des neuen Feldgeistlichen Erb aus Kulmbach nach Amerika geschickt werden. Die übrigen Soldaten konnten erst im Februar über Land weiter marschieren, erreichten die Weser und Bremerlehe, wo im März ihre Überfahrt nach Nordamerika begann.
Das Jahr 1779Dienst in Rhode IslandAnfang des Jahres wurden die Truppen in Newport (Rhode Island) von ihren Nachschublinien aus New York abgeschnitten, weshalb die Verpflegung immer schwieriger wurde. Nur wenigen Versorgungsschiffen gelang der Durchbruch, um die allernötigsten Güter nach Rhode Island zu schaffen. Am 11. Januar 1779 erreichten einige Soldaten, die bislang im Lazarett gelegen hatten, die Truppen. Unter ihnen war auch der berühmte Schriftsteller und Leibarzt des Markgrafen Dr. Johann David Schöpf aus Ansbach. Unter den eingesperrten Soldaten häuften sich bald Krankheiten und Fälle von Skorbut, ehe im Mai 1779 die Versorgung verbessert werden konnte. Die fränkischen Soldaten wunderten sich v.a. über das englische "Schmalbier", das sie gar nicht an das heimische Bier erinnerte, sondern vielmehr an Tee: "Es wird aus Holz, Kräutern und Melasse gekocht, schmeckt ganz süß, ist gesund und gut zu trinken und gleicht nach unserer Art einem Holztee oder Brusttee." Frühling und Sommer verliefen ohne große Ereignisse für die Besatzung von Newport. Im Herbst jedoch fiel die Entscheidung, dass die hier stationierten Truppen verlegt werden sollten. Am 25. Oktober 1779, nachts um 10 Uhr, wurde Rhode Island dann völlig geräumt. Um einen problemlosen Abzug zu gewährleisten, mussten die Einheimischen ihre Fenster und Türen geschlossen halten. Grund hierfür war, dass in der monatelangen Besatzungszeit der eine oder andere Soldat mit weiblichen Einheimischen näher in Kontakt getreten war und man befürchtete, dass einige Soldaten lieber zurückbleiben würden. Die oft beschriebene "Mannszucht" hat in den letzten Monaten arg gelitten. Die Truppen wurden nach New York transportiert, wo sie bei Kerles Hook ihr Lager zur kommenden Überwinterung errichteten. Hier traf die zweite Ergänzungslieferung der fränkischen Truppen hinzu, die aber auch die lang ersehnten frischen Uniformen und Ausrüstungsgegenstände mit sich brachten. Insgesamt stießen zwei Offiziere, 30 Jäger und 123 Grenadiere neu hinzu.
Die Jäger im Einsatz am Hudson RiverDie Jäger nahmen im Hochsommer erneut an einer groß angelegten Operation gegen Washingtons Truppen teil. Dieser war Ende Mai über den North River übergesetzt und hatte sein Lager auf den White Plains nahe Kingsbridge aufgeschlagen. Außerdem hatte er zwei Forts bei Kings Ferry errichten lassen, wodurch er den britischen Versorgungsweg zwischen den nördlichen und südlichen Kolonien abschnitt und so auch den Zugang zum Hochland überwachte. General Clinton musste schnell reagieren. Er setzte seine Truppen in Marsch, um zunächst gegen die beiden Forts am Hudson River vorzugehen. Am 31. August 1779 kam es zu einem Gefecht bei Duyvel Hill, wobei zunächst die Courtlands Plantation (Specking Point bei Kingsbridge) besetzt wurden, ehe sie gegen Philipps House zogen und hier die gesamte westliche Seite des Hudson Rivers beziehen konnten. Das Fort Lafayette wurde von den Jägern angegriffen und mühelos erobert, gleichfalls das Fort Stony Point, das von General Clinton widerstandslos übernommen werden konnte. Beide Wehranlagen wurden von den Briten besetzt und für die eigenen Zwecke instandgesetzt. Die Region wurde dann völlig ausgeplündert und nach allem Brauchbaren durchkämmt, so dass den Feinden keine Vorräte mehr blieben. Nach weiteren kleinen Kämpfen trafen die Jäger am 10. November 1779 in New York ein. Die Soldaten lagerten bei Flushing auf Long Island, wo sie sich auf den bevorstehenden Winter einrichteten. Da die Quartiere alles andere als wintertauglich waren, bauten sich die Jäger behelfsmäßige Baracken und kümmerten sich auf eigenen Faust um die Verpflegung. Der Mangel an guter Nahrung und das Fehlen von Winterkleidung führte wieder dazu, dass die Zahl der Fahnenflüchtigen deutlich anstieg. Insgesamt betrachtet stellte das Jahr 1779 ein eher verlorenes und verlustreiches Jahr für die fränkischen Truppen dar. Das monatelange tatenlose Warten in den Stellungen, die unzureichende Verpflegung und Versorgung mit neuen Ausrüstungsgegenständen und die miserable medizinische Behandlung zeigten ihre Spuren.
Expedition nach Charleston, VirginiaCharleston war weitgehend von englandtreuen Amerikanern (Loyalists) bewohnt und war überdies als Küstenstadt von enormer strategischer Bedeutung. In der Stadt, die v.a. an der Nordseite starke Befestigungsanlagen hatte, lebten ca. 14.000 Einwohnern. Die Stadt Savannah war von den Briten erobert worden und konnte gegen die ständigen Angriffe der amerikanischen Miliz gehalten werden.
Das Jahr 1780Am 31. Januar 1780 erreichten die meisten Schiffe nach dieser stürmischen Fahrt die Küste bei Savannah (Tybee Island) - über 130 Kilometer zu weit im Süden! Neun Schiffe fehlten, wovon fünf gar gesunken waren.
Das Schicksal der "Anna"Beim Truppentransport nach Charleston kam es zu einer geradezu unglaublichen Episode, die hier Erwähnung finden soll. Auf dem Schiff befanden sich größtenteils hessische, aber auch einige fränkische Jäger. Die bereits erwähnte stürmische Überfahrt ließ bei der "Anna" die Masten brechen, weshalb das Schiff kurzerhand in Schlepp genommen werden mußte. Das mit 250 Mann hoffnungslos überladene Schiff riss sich beim Abschleppversuch los und trieb hilflos in den offenen Atlantik. Da die Versorgung verständlicherweise bald knapp wurde, wurden zunächst die an Bord befindlichen Hunde geschlachtet und verzehrt. Aus deren Knochen wurde Mehl gemahlen, Hobelspäne wurden gekocht. Nachdem auch diese Vorräte verbraucht waren, soll - so die Berichte - der inzwischen geistig verwirrte Kapitän den Vorschlag gemacht haben, die Frauen als nächstes zu verspeisen! Nachdem nach mehreren Wochen endlich Land in Sicht kam, schien die Rettung nah zu sein. Doch weit gefehlt! Der Kapitän steuerte weg von der Küste - es handelte sich dabei übrigens um die Küste Irlands -, weil er behauptete, man müsse dem Lotsen 30 Guineas zahlen, wenn er hier entlang segelte. Zudem schlug das Schiff Leck, ohne dass die Besatzung jedoch etwas davon merkte. Der Kapitän wurde aufgrund seiner zuletzt gezeigten Verhaltensweise von seinen Offizieren festgesetzt und seines Amtes enthoben. Am 25. Februar 1780 befand sich die "Anna" vor der Küste Cornwalls bei St. Ives, wo ihnen ein Lotse zu Hilfe kam. Nach der Bezahlung von 30 Guineas gelang es dem Lotsen, das Schiff gegen die Küste zu manövrieren. Erst jetzt wurde das Leck entdeckt, doch war es zu spät, das Schiff durch Abpumpen zu retten. Die "Anna" versank direkt vor der Küste Cornwalls, doch gelang es den Küstenbewohnern gerade noch rechtzeitig, die Schiffbrüchigen zu retten. Über Plymouth, wo sie ein Schiff bestiegen, fuhren die Überlebenden nicht in die Heimat - sondern zurück nach Amerika! Am 17. Oktober 1780 trafen sie wieder in New York ein.
Die Eroberung von CharlestonDie versprengte Flotte sammelte sich und segelte zurück nach Norden, um am 12. März 1780 Simons Island zu erreichen, wo sie erstmals ein Lager inmitten einer für die Europäer völlig unbekannten Vegetation und Klimaregion aufschlugen. Zwei Wochen später ging es nach James Island und zum Fort St. Johns nahe Charleston, welches mit einer Besatzung von 5.000 Soldaten und einer überaus starken Befestigung ein Bollwerk gegen die Angreifer darstellte. Der kommandierende US-General Lincoln jedoch sah in der Folgezeit tatenlos zu, wie die Angreifer ihre Stellungen bezogen und seelenruhig ausbauten. Anfang April begann die pausenlose Beschießung von Charleston und dem nahegelegenen Fort Moultrie, welches die Hafeneinfahrt von Charleston schützte. Am 11. Mai 1780 kapitulierte General Lincoln und vollzog die Übergabe der Stadt Charleston. Ihm und seinen überlebenden Soldaten wurde ein ehrenvoller Abzug in die Gefangenschaft gewährt. Die Belagerung der Stadt hatte allein 5.400 Amerikanern das Leben gekostet und war somit die schlimmste Niederlage der Kontinentalarmee während des gesamten Krieges. Nachdem die Eroberer mit der Einnahme von Charleston einen strategischen Sieg errungen hatten, wurde das Gros der Truppen bereits Ende Mai wieder verladen und nach Sandy Hook zurückgeschickt, wo sie am 17. Juni 1780 eintrafen.
Die Plünderung von HackensackWährend der Expedition nach South Carolina und der Eroberung von Charleston, verbrachten die Grenadier-Regimenter die Zeit im Raum New York. Anfang Januar wurden knapp 100 Ansbacher Soldaten nach Paulus Hook nahe Jersey City zur Verstärkung abkommandiert. Die fränkischen Soldaten standen zwischenzeitlich unter dem Befehl des hessischen Generalleutnants von Knyphausen, der mehrmals auf die Einheiten General Washingtons traf und sie in Kämpfe verwickelte. Dies war in dieser Zeit umso leichter, da der Übergang von Staten Island nach New Jersey durch die vereiste Wasseroberfläche erleichtert worden war. Im März plünderten die britischen Einheiten unter Beteiligung der Franken die kleine Stadt Hackensack nördlich von New York. Hierbei wurde deutlich, dass auch die markgräflichen Truppen alles andere als zimperlich gegen die Feinde vorgingen. Döhla berichtet über dieses Ereignis folgendes: "Früh gegen 3 Uhr langten wir in Hackensack, einem großen, schönen Flecken aus ca. 200 Häusern bestehend, an. Dieser Ort wurde überfallen und sogleich in alle Häuser mit Gewalt eingebrochen, alles ruiniert, Türen und Fenster, Kisten und Kästen zusammengeschlagen und ausgeplündert. Alle Mannspersonen wurden als Gefangene mitgenommen, das Rathaus und noch einige ansehnliche Häuser in Brand gesteckt. Wir machten beträchtliche Beute, sowohl in Gold, silbernen Sackuhren, silbernen Tellern und Löffeln, als auch an Mobilien, guten Kleidern, feiner englischen Leinwand, guten seidenen Strümpfen, Handschuhen und Halstüchern, nebst anderen kostbaren Stoff, Atlas und Zeuchen. Meine Beute, die ich mit zurückbrachte, bestand aus 2 silbernen Sackuhren, 3 silb. Gürtelschnallen, ein paar baumwollene Frauenstrümpfen, ein paar melierten Manns-Sommerstrümpfen, 2 Manns- und 4 Frauenhemden von feiner englischen Leinwand, 2 feinen Taschentüchern, 1 silbernen Eß- und desgleichen Teelöffel, 5 spanischen Thalern und 6 Yorkschillingen in Gold. Das andere, nämlich 11 Zügel, feine Leinwand und 2 Dutzend seidene Tücher nebst 6 silbernen Tellern und einem silbernen Becher, so in einem zusammengebunden, mußte ich wegen des eiligen Fliehens und Weitermarsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen." Anfang Juni 1780 brachen das Regiment Voit und die Jäger nach Südwesten auf, setzten über den Kill, um in New Jersey die angelegten Magazine von Washington zu zerstören bzw. zu erbeuten. Am 18. Juni 1780 kam es zur Schlacht von Elizabethtown. Bei dem ca. 12 Stunden andauerndem Gefecht fiel der überaus tapfere Jägerleutnant Ebenauer, dessen eilig errichtetes Grab kurze Zeit später von General Washington aufgesucht wurde. Dieser hatte den Leutnant in der Schlacht beobachtet und wollte nun dem Soldaten die Ehre erweisen. Die Amerikaner errichteten Ebenauer ein ehrenvolleres Grab. Nach der Einnahme und Zerstörung von Springfield mussten sich die Angreifer wieder zurückziehen, da die amerikanischen Truppen zu zahlreich waren. Eilig setzte man wieder auf das sichere Staten Island über und dachte bereits wieder an den Bezug der Winterquartiere. Mitte Oktober traf die mittlerweile dritte Ergänzung aus Europa ein. Die im März 1780 aufgebrochenen Soldaten bestanden aus drei Offizieren, einem Stabschirurgen, 25 Jägern, 117 Grenadieren und einigen weiteren Soldaten mit Sonderfunktionen. Auch sie brachten notwendige Nachschubgüter mit. Das Jahr 1780 brachte nur geringe Erfolge für die britische Seite. Während der Feldzug gegen Charleston ein eindeutiger Erfolg war, stagnierten die Erfolge im nördlichen Kriegsschauplatz um New York. Am Ende des Jahres mussten erneut kleinere Einheiten in den Süden geschickt werden.
Das Jahr 1781: Die Niederlage bei Yorktown (Virginia)Lord Cornwallis wurde am 17. Januar 1781 bei Cowpens von General Morgan besiegt. General Leslie und Cornwallis gaben sich jedoch nicht geschlagen und verfolgten die Truppe von General Greene nach Virginia, so dass es am 15. März 1781 zu einem Gefecht bei Guilford Court House kam, an dem die Jäger maßgeblich beteiligt waren und bei dem sie die Truppen zum Sieg verhalfen. Trotz dieses Sieges gelang es den Briten nicht, die Oberhand in North und South Carolina zu erringen. Völlig entkräftet zogen die Briten nach Wilmington an die Küste, wo im Mai 1781 die Truppen unter General Cornwallis zusammengezogen wurden, wobei frische 300 Soldaten aus Ansbach hinzustießen. In den kommenden Wochen und Monaten verlagerte sich der Kriegsschauplatz zusehends nach Virginia, wo beide Seiten sich anschickten, größere Armeen zusammenzuziehen und sich eine geeignete Ausgangslage zu verschaffen. Am Eingang zur strategisch und wirtschaftlich so bedeutsamen Chesapeake Bay konzentrierten sich nun mehrere Truppeneinheiten der Briten. Unter der Führung des von dem Amerikanern übergelaufenen Generals Arnold landeten Anfangs Januar 1.400 Soldaten am James River bei Portsmouth. Ende März stießen weitere 3.000 Soldaten unter General Philipps hinzu, die dann gemeinsam über den James River gegen Petersburg und Chesterfield zogen. Die nächsten Wochen wurden damit verbracht, den Gegner zwischen Portsmouth und Petersburg aufzuspüren und am Weiterkommen zu hindern. Nachdem es Ende Juni noch zu einem größeren Aufeinandertreffen der beiden Seiten bei Williamsburg kam, erhielt Lord Cornwallis den Befehl, unverzüglich nach New York zurückzukehren, da General Clinton von einem groß angelegten Angriff auf die Stadt ausging. Am 4. Juli zogen 3.000 Soldaten von Williamsburg ab, doch noch ehe sie den Hafen Portsmouth erreicht hatten, änderten sich auch schon wieder die Order. Nun lautete der neue Befehl, eine günstige Marinebasis zu finden und auszubauen.
YorktownWochenlang wurden nun Vorbereitungen getroffen aus Yorktown einen sicheren Marinestützpunkt zu machen. Schanzarbeiten, Flusssperren und die Anlage von Verteidigungsgräben bestimmten die tägliche Arbeit in brütender Hitze. Häuser jenseits der Verteidigungslinie wurden kurzerhand abgerissen, damit sich ein freies Schussfeld bot und sich der angreifende Feind nirgends verstecken konnte. Am 31. Juli 1781 trafen auch die fränkischen Regimenter in Yorktown ein - im Ganzen 1.100 Soldaten. Die Jäger richteten sich auf dem gegenüberliegenden Ufer des York Rivers bei Gloucester ein. Die vereinigten Armeen der Amerikaner und Franzosen unter Washington und Rochambeau rückten derweil aus dem Raum New York kommend nach Süden vor und stießen dann schließlich zu den Einheiten Lafayettes und der Landungstruppe des französischen Admirals Count de Grasse. Bei Williamsburg, nur etwa 15 Kilometer von Yorktown entfernt, konzentrierten sie sich dann. Insgesamt formierte sich hier eine Armee bestehend aus 7.000 Franzosen, 5.500 Amerikanern der Kontinentalarmee und 3.500 "Virginia-Schützen", alles in allem 16.000 Mann! Unter dieser Streitmacht befanden sich kurioserweise auch Deutsche: im Regiment Royal Deux-Ponts, übersetzt also Zweibrücken, befanden sich beispielsweise Söhne des Zweibrücker Herzogs Christian IV. Am 28. September 1781 begann Washington mit der Beschießung der Stellungen von Yorktown. Schon zwei Tage später war ein erster Erfolg zu vermelden, als die Belagerten ihre äußerste Verteidigungslinie aufgaben, die dann von den Angreifern erobert und natürlich auch selbst genutzt wurde. Die heftige Kanonade dauerte an und zeigte bei den Eingeschlossenen erste Wirkung. Demoralisiert und verzweifelt schreibt Oberleutnant Prechtel: "[...] es sind soviel Pomben in das Lager gespielet worden, daß es gar nicht zu beschreiben ist." Am 16. Oktober versuchten die Briten erfolglos, aus dieser Umklammerung auszubrechen. Immerhin gelang es ihnen aber, die Verwundeten über den Fluss nach Gloucester zu verlegen. Zusätzlich wurden 250 fränkische Soldaten über den York River gesetzt, um einen möglichen Fluchtweg auszukundschaften. Nur wenig später mussten diese aber wieder kehrtmachen und sich in ihre Stellungen zurückziehen. Die Lage der Briten und ihrer Alliierten war hoffnungslos geworden. Ein Entkommen war unmöglich.
Oberstleutnant Freiherr von Reitzenstein meldete die Kapitulation der fränkischen Einheiten offiziell an seinen Markgrafen: "Die damals hier befindliche Armee unter Kommando des H. Generalleutnants Lord Cornwallis ist seit dem 29. praet. mensis durch die verstärkte und ganz überlegene, allhier im York Fluß unerwartet eingelaufene französische See- und Landmacht enge belagert gewesen und nach einem neuntägigen Bombardement mit Kapitulation an die Vereinigten Mächte übergeben worden, mit derselben aber auch das Löbl. Regiment in eine traurige Gefangenschaft gefallen. Ew. x.x. vor jetzo Einiges von den Kapitulations-Punkten untertänigst vorzulegen, erlaubt mir teils der Mangel der gänzlichen Verlässigkeit teils die Eile des abgehenden Schiffes nicht. Der Herr Oberster Graf von dem Kgl. französischen Regiment Zweybrücken aber ist derjenige, der sich freundschaftlich erboten, die Versorgung dieses unglücklichen Rapports mit der abgehenden französischen Fregatte zu übernehmen und durch diesen Weg wird also solches Höchstderselben zu höchsten Händen kommen." Somit endete, gut zwei Jahre vor dem endgültigen Friedensschluss, der Krieg für den Großteil der fränkischen Truppen. Doch noch waren die Entbehrungen und Grausamkeiten nicht zu Ende. Es folgten Monate harten Überlebenskampfes, geprägt von Krankheiten (v.a. Ruhr und Typhus) und Hunger. In der Zeit der Gefangenschaft sollten noch viele Soldaten der Ansbach-Bayreuther Truppen umkommen oder sich entschließen, zum ehemaligen Feind überzulaufen.
Das Gros der Jägerabteilung war jedoch nicht bei der Niederlage von Yorktown vor Ort. Die Abteilung von Waldenfels lag noch immer auf Long Island, die Abteilung von Röder war in Charleston stationiert, wo sie bis zum Ende der Kampfhandlungen des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges verblieb und erst Anfang des Jahres 1783 nach New York abzog. Nach dem Eintreffen der vierten (11. August 1781) und fünften Ergänzungslieferung in New York sollten die sich noch in Freiheit befindlichen fränkischen Soldaten völlig neu strukturiert werden. Insgesamt handelte es sich um 685 Soldaten. Aufgrund des Endes der Kampfhandlungen kam es aber nicht mehr dazu.
IV. Die Gefangenschaft 1781-83Nach der Niederlage von Yorktown marschierten die geschlagenen Soldaten in langen Kolonnen über Williamsburg und Frederiksburg - wo v.a. Deutsche wohnten - in die für sie vorgesehenen Gefangenenlager. Die Jäger wurden in Fredericksport (Maryland) inhaftiert. Die übrigen Grenadierkompanien mussten zunächst in den New-Frederiks-Baracks nahe Winchester (Virginia) ins Gefangenenlager, das sie nach einem Marsch von über 200km am 5. November 1781 erreichten. Dort, wo die deutschen Kriegsgefangenen untergebracht wurden, lebten an die 150.000 deutschstämmige Siedler, die natürlich dafür sorgten, dass es ihren Landsmännern etwas besser erging. Die Bedingungen waren nämlich äußerst hart. Schlechte Versorgung, keine oder nur zerlumpte Bekleidung und die immer wieder ausbrechenden Krankheiten zehrten an den Kräften und forderten wöchentlich neue Opfer. Tatsächlich sollten während dieser Zeit weitaus mehr Soldaten sterben, als während der gesamten Kampfhandlungen. Anfang des Jahres 1782 wurde die Wachmannschaft der Kriegsgefangenen ausgetauscht und von einer Milizeinheit aus Virginia ersetzt, in dem sich auch ein Fahnenflüchtiger des Bayreuther Regiments befand. Wie der Zufall es wollte, befanden sich unter den Inhaftierten zwei seiner Brüder, die er natürlich dazu ermunterte, die Fronten zu wechseln und seiner Truppe beizutreten. Diese und eine Vielzahl weiterer fränkischer Soldaten ließen sich überzeugen und traten in den Dienst des ehemaligen Feindes ein. Mitten im Winter mussten die Gefangenen am 27. Januar 1782 ihr Lager verlassen, um ins circa 60km entfernte Frederikstown überzusiedeln. Doch auch dort wurde die Situation nicht besser - im Gegenteil, nur gelegentlich erhielten die Männer Nachschub, nur selten wurde ihnen ihr Sold ausbezahlt. Die Zeit im Lager wurde mit Turn- und Exerzierübungen oder dem Versuch, sich durch Gemüseanbau eine Verbesserung der Verpflegung zu erreichen, verkürzt. Nachdem ein deutscher Soldat versehentlich auf der Latrine von einem amerikanischen Bewacher erschossen worden war, richteten die Franken ihren eigenen Lagerdienst ein, der außerordentlich gut funktioniert haben soll. Unterdessen bemühte sich Oberst von Voit unaufhörlich, seinen gefangenen Soldaten die nötigsten Ausrüstungsgegenstände und den ausgebliebenen Sold zukommen zu lassen. Unermüdlich stand er in Briefkontakt mit dem Markgrafen, verhandelte mit Briten und Amerikanern und konnte gelegentlich erreichen, dass den Gefangenen neue Uniformen, Schuhe oder andere lebensnotwendige Dinge geschickt werden konnten. Da die Amerikaner sowieso hofften, dass die Hilfstruppen als Neusiedler in Amerika bleiben würden, gab es bald genügend Erleichterungen. Urlaubsscheine wurden ausgestellt, so dass mancher Soldat in der Nachbarschaft auf Feldern oder als Knecht arbeiten konnte. Außerdem war es jedem Gefangenen möglich, sich aus seiner Lager "freizukaufen", um so die vollen amerikanischen Bürgerrechte zu erhalten. 80 Taler konnte sich aber kaum einer der Soldaten leisten, so dass amerikanische Bürger des Umlandes diese Summe vorstreckte. Die Verlockung war groß, zumal die fränkischen Soldaten ja aus einem absolutistischem Kleinstaat kamen, in dem von Gleichberechtigung und persönlicher Freiheit keine Rede sein konnte. Hier in Amerika bot sich vielen die Chance, ein neues Leben zu beginnen, und das mit einem Landbesitz, der manch Großbauern in der Heimat vor Neid erblassen lassen würde. Wie groß die Zahl der Freigekauften oder geflüchteten Deutschen war, zeigt folgende Begebenheit: Als am 21. Oktober 1782 ein amerikanisches Freikorps ins Gefangenenlager kam, wurde bekannt, dass nicht weniger als 40 Mann davon ehemalige Kriegskameraden waren! Besonders in den Sommermonaten nahm die Zahl der Deserteure merklich zu. Die fränkischen Offiziere kamen täglich in das Gefangenenlager, um die Disziplin ihrer Männer zu wahren und bemühten sich redlich, die Zahl der Fahnenflüchtigen einzudämmen. Überhaupt wurde die Disziplin im Lager zu einem immer ernster werdenden Problem. Manch einer verfiel dem Alkohol oder randalierte gegen seine Vorgesetzten. Ohne die Erlaubnis des Markgrafen oder eines direkten Vorgesetzten durften die Soldaten nicht heiraten. Dies hielt jedoch viele nicht davon ab, eben dieses zu tun, wie etwa Hauptmann von Molithor oder Premierleutnant von Beust, die sich beide in Nova Scotia ansiedelten. Ein besonderer Fall war der eines Auditors, der stark dem Alkohol frönte und deshalb zur Rechenschaft gezogen wurde. Als man die persönlichen Besitztümer des Soldaten durchsuchte, fanden sich eine Vielzahl von Briefen und dienstlichen Anweisungen, die nie ihren Empfänger erreicht hatten und so zu erheblichen Verständigungsproblemen zwischen den Truppen in Nordamerika und dem Markgrafen geführt hatten.
Endlich Frieden!Endlich aber kam die Nachricht vom Friedensschluss ins Lager. Am 22. April 1783 verkündete der eigens herbeigeeilte General Lincoln offiziell die Unterzeichnung des Friedens von Versailles, der bereits am 30. November 1782 erfolgt war. Zur Feier des Kriegsendes und der bevorstehenden Heimkehr wurde sogleich ein Feuerwerk inszeniert, bei dem die Ansbach-Bayreuther Soldaten Hochrufe auf den britischen König losließen. Kurzerhand ließ der französische Lagerkommandant auf die Feiernden das Feuer eröffnen und tötete am letzten Tag noch zwei Bayreuther Soldaten! 19 Monate hatte die Gefangenschaft insgesamt gedauert. Die Opfer waren beträchtlich, wie Döhla schreibt. Seine eigene Kompanie etwa bestand aus 102 Soldaten zu dem Zeitpunkt, als sie in Gefangenschaft geriet. Jetzt waren es nur noch 33.
V. Heimkehr nach EuropaAm 15. Mai 1783 zogen die markgräflichen Truppen aus Frederikstown ab, wobei sie offensichtlich von der ortsansässigen Frauenschaft nur äußerst ungern verabschiedet werden. Die Route führte über den Susquehanna nach Lancaster und Philadelphia. Immer wieder gelang einigen Soldaten die Flucht in eine neue Freiheit, was die fränkischen Offiziere ständig zu verhindern suchten. Gut zwei Wochen später, am 27. Mai 1783, setzte man nach Long Island über, wo sie neu eingekleidet von Denis Ferry bzw. Sandy Hook auf Schiffe geladen wurden, die sie in die Heimat zurückbrachten. Bereits am 30. August 1783 erreichten die Schiffe - wieder mit dem üblichen Sturm - Dover, wurden dort umgeladen und fuhren von dort am 11. September nach Cuxhaven. Da sie aber vom preußischen Cuxhaven nicht hätten weiter marschieren können, segelten sie zurück nach Bremerlehe, wo sie am 19. September endlich an Land gehen konnten. Bei der abschließenden Musterung zählte man insgesamt nur noch 1183 Soldaten - von einstmals 2353! Mit Schiffen ging es für die fränkischen Einheiten über die Weser bis nach Hannoversch-Gmünden. Von hier an führte der Fußmarsch über Fulda und Schweinfurt nach Prichsenstein, dem ersten Ort auf heimischem Boden. Über Gollhofen und Dachstetten erreichten sie schließlich am 9. Dezember 1783 Ansbach, wo ihnen ein ehrenvoller Empfang bereitet wurde. Das Bayreuther Regiment zog wenig später in ihr Quartier nach Kulmbach weiter.
Die Soldaten: Opfer, Heimkehrer und DeserteureEine genaue Aufstellung aller Soldaten, die in den Jahren 1777 bis 1783 an der Unternehmung im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teilgenommen haben, zeigt, welche großen Verluste die Markgrafschaft zu erleiden hatte.
Von den 1170 nicht in die Heimat zurückgekehrten Soldaten sind insgesamt 679 Mann desertiert und freiwillig in Amerika zurückgeblieben. Der Großteil der Toten war - wie bereits erwähnt - nicht bei Kampfhandlungen zu beklagen, vielmehr fielen die meisten den Umständen der Gefangenschaft bzw. Krankheiten und Seuchen während der Feldlager zum Opfer.
HeimkehrerProblematisch war, für die heimgekehrten Kriegsteilnehmer eine entsprechende Weiterverwendung zu finden. Die meisten kehrten heim zu ihren Familien und arbeiteten fortan wieder auf dem eigenen Hof bzw. in ihren erlernten Berufen. Mehrere Angehörige der Jägerkompanien erhielten begehrte Anstellungen in den markgräflichen Forsten. Einige Offiziere erhielten verschiedene Ämter, so etwa der Secondeleutnant Busch, der Stadtvogt von Crailsheim wurde. Die Versorgung der Invaliden machte es erforderlich, eine eigenen Invalidenkasse einzurichten, aus der die Angehörigen eine entsprechende Zuwendung erhielten. Noch einigermaßen diensttaugliche Soldaten konnten in sog. Invalidenkompanien, die in Erlangen, auf der Wülzburg und auf der Plassenburg stationiert waren, ihren Dienst verrichten. Dass sich die Zahlen der Heimkehrer immer wieder widersprechen oder nicht aufgehen wollen, liegt v.a. daran, dass während des Krieges einige Soldaten in Amerika eingestellt worden sind. Viele von ihnen waren Afro-Amerikaner und dienten Offizieren als Burschen. Einige von diesen kehrten mit ihrem Herrn nach Europa zurück und galten dort als Unikum. Über den "Mohr" Heinrich William ist folgendes bekannt: Er wurde 1769 geboren und mit zwei Jahren an einen Engländer verkauft. 1782, nachdem er von seinem vorherigen Herrn geflohen war, trat er in die Dienste des Offiziers Haußelt, der ihn sofort taufen ließ. Im Militärkirchenbuch der Ansbacher St. Johannis-Kirche liest man: "Am 17. Februar starb an der Auszehrung Heinrich William, ein Mohr, der im Dienste des Feldjägerquartiermeisters Haußelt aus Amerika hierher kam." Der Regimentsarzt Dr. Johann David Schöpf hingegen war nach seiner Freilassung immer noch vom Forscherdrang getrieben, hatte er während seiner Dienstzeit doch nur wenig von Amerika zu Gesicht bekommen. Deshalb entschloss er sich, den nordamerikanischen Kontinent auf eigene Faust zu erforschen. Zwei Jahre lang durchquerte er das Land bis nach Florida und sogar auf die Bahamas Inseln, sammelte Eindrücke und hielt sie in ausführlichen Tagebucheinträgen fest. Zurück in Europa veröffentlichte er seine Forschungsergebnisse in einem zweibändigen Werk mit dem Titel "Reisen durch einige der mittleren und südlichen vereinigten nordamerikanischen Staaten nach Ostflorida und den Bahamainseln, unternommen in den Jahren 1873 und 1784".
DeserteureSeit dem Eintreffen der deutschen Truppen in Nordamerika bemühte sich die Amerikanische Regierung, die im britischen Sold stehenden Miettruppen zur Desertation zu bringen. Bereits im Juni 1776 hatte der Kongress beschlossen, alles nur Erdenkliche zu unternehmen, die Deutschen für die eigenen Seite zu gewinnen. Der Kampf für die Freiheit, aber auch die Aussicht auf Gleichberechtigung und großzügige Landüberlassungen sollten die Soldaten überzeugen. Im August des Jahres 1776 verfügte der Kontinentalkongress, "[...] dass die Staaten von Amerika alle Ausländer aufnehmen werden, die die Armee seiner britischen Majestät verlassen und es vorziehen, Mitglieder eines dieser Staaten zu werden. Sie sollen den Schutz freier Religionsausübung genießen und alle Rechte, Privilegien und Freiheiten der Einheimischen erhalten, die in den Gesetzen dieser Staaten festgelegt sind. Darüber hinaus werde der Kongress jedem dieser Personen 50 Acker Land in einigen Staaten zur Verfügung stellen, das ihm und seinen Erben als freies Eigentum gehören soll." Fünfzig Acker [acres] entsprachen einer Größe von circa 20 Hektar, entsprach also einer Größe, von der Bauern in Europa oft nur träumen konnten. Offizieren wollte man sogar noch ein Vielfaches an Land anbieten, so dass manch einer einen Landbesitz von bis zu 1.400 Ackern (~566 ha) sein Eigen nennen konnte. [ein amerikanischer oder kanadischer Acker hat eine Größe von 4.840 square yards oder umgerechnet 4,047 Quadrat Meter. So sind 100 acres umgerechnet 40,47 Hektar. Danke, John, für diesen Hinweis] Damit die Deutschen auch von diesem überaus großzügigem Angebot erfuhren, bediente man sich zahlreicher listiger Einfälle. So wurden etwas Flugblätter mit diesem Angebot mit Tabak verpackt und anschließend mittels kleiner Boote nahe feindlicher Stellungen in die Strömung gegeben, in der Hoffnung, dass der Feind diese Nachricht las. Bereits übergelaufene Soldaten kehrten oftmals in die alten Lager zurück und versuchten dort, die ehemaligen Kameraden durch Reden zu überzeugen. Auch wurden Gefangene absichtlich durch Städte wie Philadelphia geführt, damit deren Schönheit und Reichtum einen entsprechenden Eindruck auf die Deutschen haben sollte.
Auch beeilten sich viele ehemals deutsche Soldaten, ihre Namen zu anglisieren, um eine Integration in die neue Gesellschaft etwas zu erleichtern, so dass es ebenfalls zu Schwierigkeiten bei genealogischen Nachforschungen kommt. Letztlich ließen sich viele Deutsche in Großstädten nieder, um dort ihrem alten, erlernten Berufen nachzugehen, wo sich aber ihre Spur schneller verliert als auf dem Lande. Man geht jedoch davon aus, dass der Großteil der fränkischen Deserteure in den 13 amerikanischen Staaten blieb und sich dort ansiedelte. Umso erstaunlicher ist es, dass wir über diese verhältnismäßig umfangreiche Gruppe kaum unterrichtet sind und es bislang auch noch wenig entsprechende Nachforschungen gibt. Sicherlich ist die Weiträumigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika ein entscheidender Grund hierfür, sowie das Fehlen einer ausgeprägten Konzentration von deutschen Siedlern in einer bestimmten Region.
Eine Anekdote soll hier erwähnt werden. Als der Maler Lewis Miller im Jahre 1820 daran ging, Porträts alter hessischer Soldaten des Unabhängigkeitskrieges zu malen, traf er auf einen Mann namens Leon Baumgarnder. Nachdem er das Porträt fertiggestellt hatte, wollte Miller als Bildunterschrift "ein Hess" schreiben, worauf der alte Herr sich kräftig echauffierte und ausrief: "Hörst du, so zu vor hier, ich bin aus dem Anspachischen!" Leon Baumgardner hieß eigentlich Leonhard Baumgärtel, gehörte dem Bayreuther Regiment an und war am 2. Oktober 1782 desertiert.
Nova ScotiaGanz anders sieht es da mit der kleiner Gruppe derer aus, die sich im kanadischen Nova Scotia ansiedelten, was nach dem Unabhängigkeitskrieg immer noch zur britischen Krone gehörte. Die britische Regierung bemühte sich, das noch wenig bewohnte Gebiet durch Siedler zu erschließen und lockte ebenfalls mit großzügigen Landschenkungen. Die deutschen Neusiedler erhielten hier ausreichend Land (circa 100 Acker für Gemeine, bis zu 700 Acker für Offiziere), außerdem wurde ihnen Steuerfreiheit gewährt und allerlei Materialien zur Verfügung gestellt, die für einen völligen Neubeginn von Nöten waren. "Viele Hundert, besonders viele königlich Gesinnte" machten sich auf in die nördliche Provinz, um am 20. September 1783 im County Annapolis Land zugewiesen zu bekommen. Hauptmann Christian von Molithor (700 acres) und der Feldprediger Johann Christoph Wagner (400 acres) waren die prominentesten Vertreter dieser Gruppe. Im Lunenburg County bekam Premierleutnant Philipp von Beust 500 acres zugeschrieben. Deren weiteres Schicksal ist oft nur bruchstückhaft bekannt, manch einer verkaufte sein Land bald wieder und zog in eine größere Stadt, andere verdingten sich in ihren erlernten Berufen, beispielsweise als Handwerker, Arzt oder Prediger. Gemeinsam ist ihnen aber, dass sie alle in der neuen Welt blieben und sich dort eine Existenz mit einer Familie aufbauten.
VI. SchlussbetrachtungIn der Biographie des letzten Markgrafen Carl Alexander von Ansbach-Bayreuth nimmt der Vertrag mit Großbritannien über die Vermietung fränkischer Truppen nach Amerika einen entscheidenden Raum ein. Für die meisten Historiker des 19. und angehenden 20. Jahrhunderts stellte dies eine Freveltat dar, die verabscheuungswürdig und unentschuldbar war. Dass deutsches Blut für einen fremden Fürsten auf einem fremden Kontinent vergossen wurde, wurde dem Markgrafen nie verziehen noch konnten seine Beweggründe akzeptiert und gutgeheißen werden. Doch darf man nicht vergessen, dass Carl Alexander dies hauptsächlich zum Wohle seines Landes tat, das seit Jahrzehnten von einer erdrückenden Steuerlast belastet wurde. Seine Vorgänger hatten einen Schuldenberg von 5 Millionen Gulden angehäuft, die Steuern waren entsprechend hoch und die heimische Wirtschaft lag darnieder. Trotz erheblicher Probleme bei der Verrechnung und Eintreibung der Subsidiengelder gelang es der Markgrafschaft, die Schuldenlast beinahe gänzlich abzutragen und den Staatshaushalt zu stärken. Der Markgraf zweigte nichts davon in seine privaten Schatullen ab. Die heimische Wirtschaft profitierte nicht nur durch eine konsequente Steuerentlastung sondern auch dadurch, dass sie die Ausrüstung der fränkischen Truppen übernahm. Tausende von Uniformen, Schuhen, Tornistern, Schanzwerkzeugen und anderen Gegenständen wurden in den markgräflichen Werkstätten und Manufakturen produziert und nach Nordamerika verschickt. 1780 entschloss sich die markgräfliche Regierung, die Abwicklung der Subsidienzahlungen nicht mehr durch private Bankiers erfolgen zu lassen. Aus diesem Grunde wurde eine eigene Hofbank gegründet, aus der sich später die Bayerische Staatsbank entwickeln sollte.
Es konnten beileibe nicht alle Aspekte des Einsatzes der fränkischen Truppen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg erörtert werden. Das Schicksal derer, die in Nordamerika blieben, bedarf noch einer genaueren Untersuchung, ebenso die vielfältigen Eindrücke und Erfahrungen, die die fränkischen Soldaten in der neuen Welt machten. Dies bleibt einer späteren Arbeit vorbehalten.
VII. Literatur
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Jochen Seidel
Tauchersreuther Str. 2
90542 Eckental
© 1999, 14. April 1999